Der belarussische Staatschef Alexander Lukaschenko hat in einem Interview deutlich gemacht, dass er nicht an einen baldigen Abschied von der Macht denkt. Zwar gestand er angesichts seiner inzwischen 26-jährigen Regierungszeit ein: „Ja, vielleicht bin ich etwas zu lange auf dem Posten. Vielleicht zeigt man mich nicht nur im Fernsehen, sondern auch an jeder Straßenecke.“ Er sei aber die einzige Person, die in der Lage sei, das Land derzeit zu schützen, sagte Lukaschenko in dem Gespräch mit mehreren russischen Staatsmedien.

Gegen den Staatschef gibt es seit der Wahl vor rund einem Monat täglich Proteste. Lukaschenko hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen zum Sieger erklären lassen. Die Wahl steht international als grob gefälscht in der Kritik. Von den Protestaktionen fühle er sich „menschlich beleidigt“, sagte der Präsident. Ein Teil der Bevölkerung habe vergessen, wie das Land noch vor 20 Jahren ausgesehen habe.

Lukaschenko sorgt sich um „Verbindungen zum brüderlichen Russland“

Gespräche mit der Opposition lehnte Lukaschenko ab. „Das ist keine Opposition. Alles, was sie anbietet, ist eine Katastrophe für Belarus“. Seine Gegner wollten die „Verbindungen zum brüderlichen Russland“ abbrechen, behauptete der Präsident. Er wolle dagegen eine weitere Integration mit Moskau. Beide Länder hatten in einem Vertrag für einen Unionsstaat bereits vor 20 Jahren eine engere Zusammenarbeit verabredet.

Zugleich schloss Lukaschenko Neuwahlen nicht aus – aber erst nach einer Verfassungsänderung. „Wir sind bereit, die Verfassung zu reformieren“, sagte er. Lukaschenkos Gegner werfen ihm vor, mit diesem Vorschlag nur Zeit gewinnen zu wollen.

Tichanowskaja: Erst Neuwahlen, dann Verfassungsreform

Die Opposition will über einen Koordinierungsrat einen friedlichen Machtwechsel durch Dialog erreichen. Dessen Vertreter hatten der autoritären Führung mehrfach Gespräche angeboten. Zudem stellte das Gremium klar, weiter mit Russland zusammenarbeiten zu wollen.

Oppositionsführerin Swetlana…