Als es der FDP so richtig schlecht ging, rückte Wolfgang Kubicki in der Partei weit nach oben. Im Dezember 2013, die Partei war erstmals in ihrer Geschichte aus dem Bundestag geflogen, wurde der Anwalt Parteivize. Das ist er bis heute – mit Parteichef Christian Lindner zählt der 68-Jährige zu den bekanntesten Politikern der Liberalen.

Beim SPIEGEL-Spitzengespräch mit Moderator Markus Feldenkirchen hat Kubicki nun zu einem zentralen Thema dieser Tage Stellung genommen: dem Umgang mit Russland nach der Vergiftung des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, der in der Berliner Charité behandelt wird. Kürzlich erst hatte die FDP-Bundestagsfraktion ein Moratorium beim Bau der deutsch-russischen Ostseepipeline Nord Stream 2 verlangt. Der Beschluss für eine die zeitliche Unterbrechung des Projekts findet Kubickis Unterstützung.

Grundsätzlich aber hält der FDP-Vize es nicht für „zielführend“, wenn ein milliardenschweres Infrastrukturprojekt nicht weiter vorangetrieben wird. Nicht nur wegen der zu erwartenden Entschädigungszahlungen des deutschen Staates an die daran beteiligten privaten Unternehmen. Auch könne – mit Blick auf einen möglichen Machtwechsel in Moskau – womöglich eine neue, demokratische russische Regierung die Einnahmen aus dem Gasprojekt gebrauchen.

Kubicki plädierte stattdessen für eine Alternative: „Man sollte darüber nachdenken, ob man einen Gas-Importstopp für eine gewisse Zeit fordert.“ Wenn man tatsächlich glaube, der Kreml sei für die Vergiftung verantwortlich, sei das „sinnvoller“, weil es „unmittelbar“ Russlands Führung treffe.

Kubicki wiederholte seine Ansicht, er glaube nicht, dass der russische Präsident Wladimir Putin hinter der Vergiftung von Nawalny stecke. „Meine Witterung sagt mir, es macht für einen Straftäter keinen Sinn, ein Verbrechen in Auftrag zu geben, um anschließend den Eintritt der Wirkung des Verbrechens zu verhindern“, sagte Kubicki.

Die Bundesregierung hatte in der vorigen Woche mitgeteilt, dass Nawalny…