Alexander Lukaschenko versucht оffenbar, die Protestbewegung in seinem Land zu enthaupten. Gleich nach einer Großkundgebung gegen den Autokraten ließ er die prominenteste im Land verbliebene Figur der Proteste festnehmen. Am Montagmorgen wurde Maria Kolesnikowa in der Minsker Innenstadt von Unbekannten in ein Auto gezerrt.

Eine Passantin meldete das Geschehen dem Minsker Nachrichtenportal „tut.by“. Sicherheitskräfte in Zivil und in Kleinbussen ohne Nummernschilder sind derzeit ständig in Minsk unterwegs auf der Suche nach Regime-Gegnern.

Auch Kolesnikowas Mitstreiter Iwan Krawzow und Anton Rodnenkow wurden offenbar festgenommen, berichtete Kolesnikowas Pressesprecher Gleb German am Montagmittag dem SPIEGEL. Die Telefone der drei antworten nicht. Ihre Aufenthaltsorte seien unbekannt, sagte German.

Kolesnikowa, die lange als Querflötistin in Stuttgart gearbeitet hat, ist wider Erwarten in die Rolle der bekanntesten Oppositionsfigur in Belarus geraten. Das liegt daran, dass ihre Mitstreiterinnen und Mistreiter in Haft sind oder ins Ausland abgeschoben wurden:

Der Bankier Wiktor Babariko, der in der Präsidentschaftswahl gegen Lukaschenko antreten wollte und dessen Wahlkampfstab sie leitet, sitzt seit Juni in Haft.

Kandidatin Swetlana Tichanowskaja, die Protestwähler auf ihren Kundgebungen anzog und an die Urnen lockte, befindet sich seit August im litauischen Exil.

Kolesnikowa war seither das bekannteste Gesicht der Proteste im Land. Lukaschenkos Taktik ist es offenbar, sämtliche potenziellen Anführerinnen und Anführer der Proteste ins Ausland zu zwingen:

Vergangene Woche wurde auch noch Tichanowskajas Minsker Vertreterin Olga Kowalkowa nach Polen abgeschoben – Sicherheitskräfte brachten sie an die Grenze und stellten sie vor die Wahl, ins Exil oder ins Gefängnis zu gehen.

Der ehemalige Kulturminister und Lukaschenko-Gegner Pawel Latuschko war schon zuvor nach Polen ausgereist, nachdem Lukaschenko ihm im Fernsehen persönlich gedroht hatte.

Kolesnikowa ist Mitglied im…