Europa steht vor großen Problemen: Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft in der EU auf Talfahrt geschickt, das milliardenschwere Hilfspaket, auf das sich die Staats- und Regierungschefs Ende Juli geeinigt haben, hängt im Parlament fest. Der Vergiftungsfall Nawalny, der griechisch-türkische Erdgasstreit im Mittelmeer, die Dauerzumutung Viktor Orbáns innerhalb der Gemeinschaft – an Herausforderungen herrscht derzeit wahrlich kein Mangel. 

Die Europaparlamentarier aber bewegt seit Tagen nichts mehr als die Frage, ob sie ab dem 14. September eine Woche lang regulär am Parlamentssitz in Straßburg tagen sollen oder nicht. Seit Beginn der Coronakrise waren die Sitzungen im Elsass ausgesetzt, Straßburg liegt in der Region Grand Est, einem der frühen Corona-Hotspots in Frankreich. Daher hielten die französischen Behörden es in den vergangenen Monaten für zu riskant, wenn sich über 700 Parlamentarier und Tausende Mitarbeiter nach Straßburg aufmachten.

Das ist vorbei. Denn jetzt, nach der Sommerpause, besteht Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf einer Rückkehr der Abgeordneten an ihren offiziellen Sitz. Nach allem, was man hört, hat sein neuer Staatssekretär für europäische Angelegenheiten, Clément Beaune, dies EU-Parlamentspräsident David Sassoli unmissverständlich mitgeteilt. Zuletzt legte er öffentlich nach: „Alles ist bereit dafür, dass die Plenarsitzung im September unter guten Bedingungen stattfinden kann.“

Das Problem ist nur: Inzwischen hat sich umgekehrt die Corona-Lage in Brüssel – zumindest zeitweilig – so verdüstert, dass es unter anderem Deutschland für nötig hielt, eine Reisewarnung für die EU-Hauptstadt auszusprechen. Dazu kommt, dass die belgischen Behörden für das Département Bas-Rhin, in dem Straßburg liegt, die Warnstufe Orange ausgegeben haben, das bedeutet, dass Rückkehrern von dort empfohlen wird, in Quarantäne zu gehen. Für Hunderte Parlamentsmitarbeiter wäre das ein großes Problem. 

Nun ringen die Europaparlamentarier um…