Der Genforscher George Church ist dafür berüchtigt, die Pfade der Wissenschaft auf ungewöhnliche Art und Weise zu beschreiten. Gern experimentiert er mit Stammzellen, die von ihm selbst stammen. Auch deshalb ist das Labor des Genom-Pioniers an der Harvard University für unorthodoxe Methoden und neue Ideen bekannt – dort interessiert man sich nicht für die Grenzen zwischen Fachdisziplinen.

Deshalb kann es eigentlich kaum überraschen, was Church und einige andere Forscher, darunter sein ehemaliger Protegé Preston Estep, derzeit treiben: Biologe Estep hat einen Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt. Und die Forscher testen dieses Mittel gegen alle Regeln der Impfstoffentwicklung direkt an sich selbst.

Normalerweise probieren Pharmaunternehmen Impfstoffkandidaten in den ersten Testphasen an Zellkulturen und Tieren aus. Erst später, wenn man von einer grundsätzlichen Verträglichkeit für den Organismus ausgeht, werden sie in aufwendigen und teuren Studien am Menschen erprobt. Aber diese entscheidenden ersten Schritte haben die Forscher ausgelassen. Sie sind selbst zu Labormäusen geworden.

Als sich das Virus im März in der Region um Boston stark verbreitete, habe man nicht tatenlos zusehen und auf einen Impfstoff warten wollen, der möglicherweise erst in einem Jahr verfügbar sein würde, begründen die Forscher ihr Vorgehen.

Der Do-it-yourself-Impfstoff des Rapid Deployment Vaccine Collaborative (Radvac), so der Name der Forschergruppe, wird als Nasenspray verabreicht. Zuerst habe es nur Entwickler Estep selbst eingenommen, dann immer mehr Forscher. Auch Familienmitglieder der Wissenschaftler, darunter Esteps 23-jähriger Sohn, sollen das Vakzin getestet haben.

Inzwischen hätten etwa 30 Wissenschaftler in den USA, Schweden, Deutschland, China und Großbritannien ausprobiert. Bisher klagte niemand über mehr Nebenwirkungen als eine verstopfte Nase oder Kopfschmerzen, heißt es in einem Bericht der „New York Times“.

Der Impfstoff basiert auf einem bekannten Prinzip,…