Am Montag war die belarussische Protestikone Marija Kolesnikowa in Minsk festgenommen worden, ihr Aufenthaltsort ist weiter unbekannt. Außenminister Heiko Maas (SPD) fordert in der Sache die sofortige Aufklärung durch die Führung in Belarus. 

„Wir sind in großer Sorge um Frau Kolesnikowa. Wir fordern Klarheit um den Verbleib und die Freilassung aller politischer Gefangener in Belarus“, sagte Maas der „Bild“-Zeitung. „Die fortgesetzten Verhaftungen und Repressionen, auch und vor allem gegen die Mitglieder des Koordinierungsrates, sind nicht hinnehmbar.“

Der Koordinierungsrat der Demokratiebewegung in Belarus hatte am Montag mitgeteilt, dass Kolesnikowa und zwei ihrer Mitarbeiter verschwunden seien. Das Gremium geht mittlerweile davon aus, dass sie entführt wurde. Kolesnikowa ist eine der wichtigsten Oppositionellen, die sich gegen den Staatschef Alexander Lukaschenko stellen. Am Montagabend gab es noch immer keine Informationen zu ihrem Verbleib.

Auch Kolesnikowas Mitstreiter Iwan Krawzow und Anton Rodnenkow wurden offenbar festgenommen, berichtete Kolesnikowas Pressesprecher Gleb German am Montagmittag dem SPIEGEL. Die Telefone der drei antworteten demnach nicht. 

„Wenn Herr Lukaschenko seinen Kurs nicht ändert, werden wir in der EU reagieren“

„Wer die Bilder der friedlichen Demonstrationen aus Minsk sieht, der kann die Augen nicht davor verschließen, dass die Menschen einen Wandel in der Politik und im Führungsstil fordern“, sagte Maas. Die Bundesregierung arbeite in der EU mit Hochdruck an einem Sanktionspaket gegen das Regime in Minsk. „Wenn Herr Lukaschenko seinen Kurs nicht ändert, werden wir in der EU reagieren.“

Die Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja war ins Exil nach Litauen geflüchtet, vergangene Woche wurde die Oppositionelle Olga Kowalkowa nach Polen abgeschoben. Auch andere bekannte Gesichter der Proteste befinden sich mittlerweile außerhalb von Belarus oder sitzen in Haft. Am Sonntag waren zuletzt wieder Zehntausende Demonstrierende in Minsk und…