Corona hat Nebenwirkungen, mit denen kein Mediziner gerechnet hat: Die Pandemie fördert offenbar akute Spielwut. Als der Lockdown begann, verzeichneten einige Onlinepokerportale Umsatzsprünge von über 50 Prozent.

Neben Amerikanern sind auch die Deutschen begeisterte Online-Pokerspieler, schätzungsweise mehr als eine halbe Million Männer und Frauen machen hierzulande mit. Pokerprofis, auch Haie genannt, freuen sich seit Beginn der Coronakrise über die vielen Anfänger, die sie ausnehmen können. Doch zu den Gewinnern gehört auch die empirische Wissenschaft: Der Boom beschert Verhaltensforschern eine Datenflut, die sie durch Laborversuche, durch freiwillige Umfragen unter Onlinespielern oder durch die Analyse von anonymisierten Daten von Pokerportalen auswerten können.

Durch den Blick in die Karten der Spieler wollen Psychologen, Soziologen und Informatiker herausfinden, wie sich der Mensch verhält, wenn die Faktenlage dünn und der Stress groß ist. Und es gibt bereits erstaunliche Erkenntnisse.