Außenminister Heiko Maas hat den Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump außergewöhnlich harsch kritisiert. Der SPD-Politiker äußerte sich in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ zu Trumps Aufruf zur doppelten Stimmabgabe und dessen Kritik an der Briefwahl: „Es ist verstörend, dass ein amerikanischer Präsident glaubt, so etwas nötig zu haben.“ Er „setze auf die Vernunft und den gesunden Menschenverstand der Amerikaner, damit der ruchlose Versuch scheitert, Zweifel an der Gültigkeit der Wahl zu säen, um später womöglich eine Wahlniederlage nicht zu akzeptieren“, fügte Maas hinzu.

Trump hatte wiederholt erklärt, dass bei einer Briefwahl die Möglichkeit für massiven Betrug bei der Präsidentschaftswahl am 3. November bestehe. Einen Beleg dafür blieb er bislang schuldig.

Zuletzt hatte der US-Präsident Briefwähler zu dem Versuch ermutigt, zusätzlich auch im Wahllokal abzustimmen. Sollte das Briefwahl-System so gut funktionieren, wie von dessen Befürwortern angegeben, „dann werden sie nicht in der Lage dazu sein“, argumentierte Trump.

Mehrere Bundesstaaten hatten daraufhin betont, dass eine doppelte Stimmabgabe illegal wäre. Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany bestritt, dass der Präsident zu einer Rechtsverletzung aufgerufen habe. Sie erklärte, dieser habe vor dem Betrugspotenzial durch Briefwahl warnen wollen.

Neben Trumps Wahlkampf kritisierte Maas auch das Verhalten des Präsidenten bei den US-Protesten gegen Rassismus: „Die Amerikaner erwarten zu Recht von ihrem Präsidenten, dass er kein Öl ins Feuer gießt, sondern die schwerwiegenden Konflikte in der amerikanischen Gesellschaft Stück für Stück auflöst.“ Leider sei jedoch zu befürchten, dass im Wahlkampf die Auseinandersetzungen weiter angeheizt würden.

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