Das Interview hat gerade erst begonnen, als Isabel Díaz Ayuso, die Präsidentin der Region Madrid, am Mittwochmorgen Worte spricht, die wenige Minuten später ganz Spanien lesen wird. „Die Menschen infizieren sich gerade, die Kinder infizieren sich gerade, alle infizieren sich gerade, und die Schule hat noch nicht begonnen.“

Die Klassenzimmer seien sicher, verspricht Ayuso noch. Aber da sind die Worte schon in der Welt, und es geht längst nicht mehr um die Schule. Die Sätze werden als Eingeständnis gewertet, denn längst grassiert das Virus in Madrid wieder unkontrolliert. Spätestens seit dieser Woche fragen sich die Spanierinnen und Spanier, ob sie die Szenen wieder erleben werden, die das Land im März so geschockt haben. 

Die Infizierten-Zahlen steigen seit Wochen

Auch in Frankreich und Italien wächst die Nervosität. Die Staaten am Mittelmeer waren am frühesten und härtesten vom Virus betroffen – und bekämpften es mit den strengsten Maßnahmen. Jetzt kehrt in Europas Süden die Angst zurück. Die Infizierten-Zahlen steigen seit Wochen und haben teilweise schon wieder die Spitzenwerten vom Frühjahr erreicht.

Zwar geht die größte Gefahr diesmal nicht von Italien, sondern an erster Stelle von Spanien aus. Aber die Sorge ist groß, dass sich massive Covid-19-Ausbrüche wie in Madrid oder Paris mit etwas Verzögerung auch in Italien wiederholen – und bald möglicherweise quer durch Europa drohen.

Warum steigen die Zahlen im Süden wieder? Was ist diesmal anders als im Frühjahr? Und wie reagieren die Regierungen in Madrid, Paris und Rom auf die neue Lage? Europaweit blicken Krisenmanager zurzeit aufmerksam Richtung Mittelmeer, um sich für den anstehenden Corona-Herbst zu rüsten.

Ganz Paris trägt blau, OP-Masken-blau

Vielleicht ist es ja so, dass es zwei Wahrheiten gibt. Zu der einen Wahrheit gehört, dass der Großraum Paris seit dem 24. August erneut ein Risikogebiet ist, weil die Ansteckungsrate hier bei über 50 pro Tausend Einwohner liegt.  Seit gut einer…