Es gibt jene Anekdote, immer wieder erzählt, und doch so passend, um die besondere Beziehung zwischen Angela Merkel und Wladimir Putin zu beschreiben. Man muss dazu wissen, dass Angela Merkel Angst vor Hunden hat. 1995 war sie in der Uckermark in der Nähe ihres Wochenendhauses von einem Jagdhund angefallen worden, seitdem hält sie Abstand zu den Tieren. Eine Begebenheit, die dem russischen Präsidenten offenbar nicht verborgen geblieben war.

Im Januar 2007, ein gutes Jahr nach ihrer Vereidigung als Bundeskanzlerin, besuchte Angela Merkel den russischen Präsidenten in dessen Residenz am Schwarzen Meer. In dem Moment, als alle Kameras auf die Besucherin gerichtet waren, öffnete Putin eine Tür – und sein schwarzer Labrador Koni eilte in den Raum, schnupperte an den Beinen der Kanzlerin und legte sich zu ihren Füßen. Die Kanzlerin, man sah es auf den Bildern, verkrampfte und fühlte sich sichtlich unwohl. Seitdem wird vor jeder Reise der Kanzlerin im vorhinein festgelegt, dass möglichst keine Tiere ihren Weg kreuzen.

Die gezielte Bösartigkeit des russischen Präsidenten zeugt zugleich vor politischem Respekt: Merkel und Putin verband bislang eine enge, aber distanzierte und respektvolle Beziehung, jeder wusste die Macht und den Einfluss des anderen sehr wohl einzuschätzen.

Mit dem Fall Alexej Nawalny und der jüngsten Erkenntnis, dass zweifelsfrei ein Gift aus der Nowitschok-Gruppe für den Anschlag auf den russischen Oppositionellen verwendet wurde, dürfte sich die komplexe Beziehung der beiden Regierungschefs erheblich verändern.

In Berlin geht man von einer gewissen Wahrscheinlichkeit aus, dass staatliche Stellen an dem Attentat beteiligt waren, schließlich dürften sie am ehesten Zugang zu dem Gift gehabt haben, wenngleich der finale Beweis noch aussteht und vielleicht niemals zu erlangen sein wird.

Merkels Reaktion jedenfalls war für ihre Verhältnisse ungewöhnlich scharf, Nawalny sollte „zum Schweigen“ gebracht werden, sagte die Kanzlerin in einem kurzen…