Die Weltbank hat dem unter einer schweren Finanz- und Wirtschaftskrise leidenden Libanon den Rest eines Kredits für den Bau eines umstrittenen Staudamms gekündigt. Die Regierung in Beirut sei über die Entscheidung, die noch ausstehenden 244 Millionen Dollar nicht auszuzahlen, informiert worden, heißt es in einer Erklärung der Entwicklungsbank in Washington. Ab sofort würden keine Mittel mehr fließen. Die libanesische Führung hatte für das Projekt Gesamtkosten von 617 Millionen Dollar veranschlagt, die Weltbank stellte ursprünglich 474 Millionen Dollar bereit. 

Umweltschäden, Erdbebengebiet …

Experten der Weltbank äußerten bereits seit Anfang des Jahres Bedenken angesichts des geplanten Bisri-Damms in einem Tal 30 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Beirut. Der Staudamm sollte 1,6 Millionen Einwohner mit Trink- und Brauchwasser versorgen. Umweltschützer und Landwirte wiesen wiederholt darauf hin, dass das Großprojekt auf einer Bruchkante einer seismisch aktiven Region entstehen sollte. Zudem werde durch den Bau ein Tal mit einer reichen Artenvielfalt zerstört, argumentierten sie.

Blick auf das Bisri-Tal südwestlich der Hauptstadt Beirut

Auch die Weltbank verlangte von der libanesischen Regierung Aufklärung darüber, wie sie mit diesen Gegebenheiten umgehen und das Risiko minimieren wolle. Aufgrund der Corona-Pandemie verlängerte die Bank die hierfür gesetzte Frist bis zum 4. September. Bereits Ende Juni wurden Arbeiten an dem Projekt auf Eis gelegt. In der Erklärung der Weltbank heißt es weiter, die libanesische Regierung habe es versäumt, sich mit Fragen zu einem ökologischen Kompensationsplan sowie Regelungen für den Betrieb und die Verwaltung des Staudamms zu befassen.

Gleichzeitig signalisierte die Entwicklungsbank ihre Bereitschaft, weiter mit den Behörden im Libanon zusammenzuarbeiten, um auszuloten, inwiefern bestehende Kredite und auch die nun zurückgehaltene Summe für den Wiederaufbau nach der Detonations-Katastrophe in Beirut…