US-Präsident Donald Trump sieht den Giftanschlag auf den Kreml-Kritiker Alexej Nawalny bislang nicht als erwiesen an. „Wir haben noch keine Beweise bekommen“, sagte Trump am Freitag bei einer Pressekonferenz in Washington und fügte dann hinzu, „aber ich werde mir das anschauen“. Zuvor hatte Deutschland seine Nato-Verbündeten, darunter die USA, darüber informiert, dass Nawalny einem Nervengift der Nowitschok-Gruppe ausgesetzt war, bevor er ins Koma fiel.

Trump gab bei der Pressekonferenz an, er verfüge über keine genauen Informationen über den Fall. „Ich weiß nicht genau, was passiert ist“, sagte der US-Präsident. „Ich denke, es ist tragisch, es ist schrecklich, es hätte nicht passieren sollen.“ Nach Deutschlands Angaben scheine es der Fall zu sein, dass Nawalny vergiftet worden sei. „Ich wäre sehr wütend, wenn das der Fall ist“, fügte der US-Präsident hinzu.

Klare Worte von der EU

Die Bundesregierung hatte am Mittwoch erklärt, Nawalny sei „zweifelsfrei“ mit einem chemischen Nervenkampfstoff aus der sogenannten Nowitschok-Gruppe vergiftet worden. Das Gift war in den Siebzigerjahren von sowjetischen Wissenschaftlern entwickelt worden.

Auf EU-Ebene wird bereits über mögliche Sanktionen gegen Russland diskutiert. Bei einer Sondersitzung der Nato forderte Generalsekretär Jens Stoltenberg am Freitag eine „unparteiische“ Untersuchung des Falles. Die 30 Nato-Mitglieder hätten den „entsetzlichen Mordanschlag“ auf den Kreml-Kritiker „auf das Schärfste verurteilt“, teilte Stoltenberg mit. Der Einsatz von Nervenkampfstoffen sei „eine eklatante Verletzung des internationalen Rechts“ und erfordere „eine internationale Antwort“.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) und sein französischer Kollege Jean-Yves Le Drian forderten Moskau gemeinsam auf, „unverzüglich den Ablauf des Vorfalls und die Verantwortlichkeiten für diese versuchte Ermordung eines Mitglieds der russischen Opposition vollständig“ aufzuklären. Der Angriff auf Nawalny sei eine „sehr schwere…