Etwa 9200 Menschen gelten in Deutschland derzeit als vermisst. Während sich die allermeisten Fälle innerhalb weniger Tage aufklären, bleiben einige Väter, Mütter, Kinder über Jahre verschwunden. Viele Angehörige quält die Ungewissheit, was mit den Vermissten passiert ist. Hatten sie einen Unfall? Wurden sie Opfer eines Verbrechens?

Ihr Schicksal lässt sich meist erst aufklären, wenn die Vermissten von selbst wieder auftauchen – oder ihre sterblichen Überreste gefunden werden. Ein Forschungsteam aus Biologen und Anthropologen will nun Pflanzen nutzen, um genau solche versteckten Gräber aufzuspüren.

„Auf kleinen, offenen Flächen können Suchtruppen eine vermisste Person leicht wiederfinden“, sagt Neal Stewart von der University of Tennessee. Aber in bewaldeten Gebieten sei das deutlich schwieriger, besonders wenn ein Mensch schon längere Zeit vermisst wird. „Das brachte uns auf die Idee, Pflanzen als Hinweise auf eine menschliche Zersetzung zu nutzen“, so Stewart.

Sattes Grün könnte Hinweis auf Leiche sein

Wenn ein durchschnittlich großer Erwachsener begraben wird, ist etwa eine drei Quadratmeter große Fläche von der Verwesung betroffen – Forscher sprechen von sogenannten Zersetzungsinseln.

Die dabei frei werdenden Stoffe beeinflussen auch das Wachstum der umliegenden Pflanzen. Der Körper eines Erwachsenen enthält beispielsweise etwa 2,6 Kilogramm Stickstoff, das sich während des Verwesungsprozesses vor allem in Ammonium umwandelt, schreiben die Forscher im Fachblatt „Trends in Plant Science“.

Die Menge an Stickstoff, die bei der Verwesung eines Menschen frei wird, ist demnach bis zu 50 Mal höher als die pro Saison empfohlene Menge an Stickstoffdünger für Gartenpflanzen. Das kann verschiedene Effekte haben.

Eine zu hohe Stickstoffkonzentration wirkt giftig. Bleibt sie jedoch auf einem bestimmten Level, bilden Pflanzen mehr Chlorophyll – der Farbstoff, der Blätter grün aussehen lässt. Wenn Pflanzen in einem Umkreis von etwa drei Quadratmetern abgestorben…