1. Der Fall Nawalny und die Gas-Pipeline

Die Gas-Pipeline Nord Stream 2 ist fast fertig, nur noch etwa 150 Kilometer der insgesamt 2360 Kilometer fehlen von der Leitung, die Russland und Deutschland verbinden soll. Doch jetzt, nach dem Giftanschlag auf den Kremlkritiker Alexej Nawalny, werden die Forderungen immer lauter, den Bau zu stoppen – oder zumindest auszusetzen. Allein heute sprachen sich die Grünenchefin Annalena Baerbock, der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei Manfred Weber und CDU-Politiker Friedrich Merz gegen den Weiterbau aus.

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Foto: Michele Tantussi/ REUTERS

In der Bundesregierung wird das aber bislang ausgeschlossen, offiziell zumindest. Im Hintergrund räumen Kabinettsmitglieder ein, dass die Option auf jeden Fall diskutiert werden müsse, wie mehrere meiner Kolleginnen und Kollegen recherchiert haben. Die Bauarbeiten für die Pipeline ruhen derzeit ohnehin, weil die USA Sanktionen androhen. „Es wäre also gar nicht so schwierig, ein Moratorium zu verkünden und damit den Baustopp zur Regierungssache zu machen“, heißt es in dem Bericht.

2. Ein Appell für weniger Appelle

Selbst der beflissensten Drosten-Hörerin und dem diszipliniertesten Maskenträger fällt es schwer, in der Coronakrise den Überblick zu behalten: Wie genau unterscheiden sich jetzt Isolation und Quarantäne? (Mehr dazu hier.) Und wie hängen R-Wert und Infektionszahlen noch mal zusammen? So langsam zeigen sich Ermüdungserscheinungen auch bei jenen, die zwischen Homeschooling und Homeoffice versucht haben, im deutschlandweiten Grundkurs Virologie und Epidemiologie mitzukommen. 

Vor der Bundesregierung macht die Ermüdung offenbar nicht halt, auch nicht vor der Kanzlerin. Zu Beginn der Pandemie gab es eindringliche Worte, eine Fernsehansprache, Orientierung. Jetzt kurze Statements und Verweise auf frühere Aufrufe: „Nehmen Sie es auch weiterhin ernst“, sagte Merkel kürzlich. Nicht genug, findet mein Kollege Martin Knobbe aus unserem Hauptstadtbüro:…