Beirut hält den Atem an: Einen Monat nach der Katastrophe suchen Rettungskräfte nach einem Verschütteten, der vielleicht noch am Leben ist. Mit einem Kran, Schaufeln und ihren Händen räumten Spezialisten aus Chile und der libanesische Zivilschutz behutsam die Trümmer eines eingestürzten Hauses weg. Der Sender MTV meldete, die Helfer hätten erneut ein mögliches Lebenszeichen ausgemacht. Es sei jedoch schwächer gewesen als am Vortag.

Helfer orteten Pulsschlag

Ein Mitarbeiter des Rettungsteams sagte dem TV-Sender Al-Jazeera, es sei ein Puls geortet worden. Aufnahmen eines Laserscanners von zwei Räumen, die unter den herabgestürzten Teilen liegen, dämpften jedoch die Hoffnung. „Alles, was wir sehen können, ist Schutt“, sagte ein Experte dem libanesischen Sender LBCI. Das sei aber nur ein vorläufiges Ergebnis.

Viele Häuser wurden durch die Explosionen völlig zerstört, andere stürzten teilweise ein

„Wir hoffen auf ein Wunder“, sagte eine Frau aus der Nachbarschaft, die die Suche verfolgt. Journalisten an der Einsturzstelle wurden gebeten, ihre Mobiltelefone auszuschalten, damit ein Ortungsgerät des chilenischen Expertenteams „Topos“ (Maulwürfe) nicht gestört wird.

Ein von den Chilenen eingesetzter Spürhund hatte am Mittwochabend angeschlagen. Die Helfer konnten daraufhin mit Spezialtechnik den mutmaßlichen Pulsschlag identifizieren. Ein offenbar noch lebender Mensch befinde sich nach bisherigen Erkenntnissen etwa zwei Metern unter den Trümmern, sagte ein Feuerwehrmann am Donnerstag. Das einst dreistöckige Gebäude, in dessen Erdgeschoss sich eine Bar befand, ist nur wenige Hundert Meter vom Ort der Detonationen entfernt.

Einwohner von Beirut fordern am Donnerstag, die Suche nach Überlebenden zu verlängern

Bei der Doppelexplosion im Hafen von Beirut waren Anfang August mindestens 190 Menschen getötet und mehr als 6000 verletzt worden. Rund 300.000 Menschen wurden obdachlos.

jj/se (dpa, afp)