Gerade einmal rund 100.000 Menschen leben in Kenosha. Trotzdem steht die Stadt im Bundesstaat Wisconsin seit rund zwei Wochen im Zentrum des US-Wahlkampfs. Nun hat der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden zwei Tage nach US-Präsident Donald Trump ebenfalls Kenosha besucht.

Der Ort war nach Schüssen der Polizei auf einen Afroamerikaner von Unruhen erschüttert worden. Am Flughafen von Milwaukee traf sich Biden zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit rund 90 Minuten lang mit der Familie des schwer verletzten Jacob Blake.

Er telefonierte zudem etwa 15 Minuten lang mit Blake selbst, der weiter im Krankenhaus liegt. Er war von sieben Schüssen eines weißen Polizisten in den Rücken getroffen worden. Der 29-Jährige könnte dauerhaft querschnittsgelähmt bleiben. „Er hat darüber gesprochen, dass er sich nicht besiegen lässt – egal, ob er je wieder laufen wird oder nicht“, berichtete Biden hinterher aus dem Gespräch.

Auch über seinen Konkurrenten bei der Wahl am 3. November, Amtsinhaber Trump, äußerte sich Biden. Dessen Verhalten, so Biden „legitimiert die dunkle Seite der menschlichen Natur“. Der Präsident versuche aktiv, gesellschaftliche Fortschritte zu unterbinden.

Anschließend reiste Biden, der wegen der Coronavirus-Pandemie eine Maske trug, nach Kenosha weiter und hörte sich dort in einer Kirche die Berichte von Einwohnern, Ladenbesitzern und Polizisten über Rassentrennung und die Unruhen an.

Begeistert war der Gouverneur auch von Bidens Besuch nicht

Der Besuch von Biden stand in starkem Kontrast zu dem von Trump. Trump hatte sich demonstrativ auf die Seite der Polizei gestellt und die Proteste als Inlandsterrorismus bezeichnet. Er war nach Kenosha gefahren, obwohl ihn sowohl Wisconsins demokratischer Gouverneur als auch der Bürgermeister von Kenosha öffentlich darum gebeten hatten, nicht zu kommen.

Sie befürchteten, dass seine Gegenwart die Lage zusätzlich aufheizen könnte. Es blieb aber weitgehend ruhig. Die Familie von Blake traf Trump…