Nein, zu Jubelarien mag man sich im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) noch nicht hinreißen lassen. Aber „solide“ seien die Ergebnisse schon, die die Marktforscher von GfK soeben auf den Tisch gelegt hätten. Ein Jahr nach Einführung des staatlichen Textilsiegels Grüner Knopf hatte das BMZ eine interne Evaluation in Auftrag gegeben, die Verbraucher befragen lassen, ob sie das Siegel kennen und was sie damit verbinden. Die Studie liegt dem SPIEGEL vor.

Demnach kennen inzwischen zwar 20 Prozent der Deutschen den Grünen Knopf. Er liegt damit allerdings nur auf Rang fünf unter den Gütezeichen. Der Blaue Engel, das Fairtrade Baumwoll-Siegel oder auch C&A Biocotton erreichen teils deutlich höhere Bekanntheitswerte. Eine Marktanalyse des Mode- und Kaffeehändlers Tchibo, der Produkte mit dem Grünen Knopf vertreibt, kommt zu ähnlichen Ergebnissen.

Dennoch sehen die Studien-Autoren das Textilsiegel der Bundesregierung „auf dem besten Wege zu einer Erfolgsgeschichte“. So gaben 96 Prozent der Menschen, die den Grünen Knopf kennen, an, ein solches Siegel zur Überprüfung sozialer und ökologischer Standards entlang der Lieferkette zu befürworten. Allein im ersten Halbjahr 2020 wurden nach Angaben des Ministeriums 50 Millionen Textilien mit dem Grünen Knopf verkauft. Gerechnet auf den Gesamtabsatz von Kleidung in Deutschland liegt der Marktanteil damit jedoch gerade einmal bei zwei bis drei Prozent, auch wenn die Coronakrise diese Zahlen noch etwas nach oben korrigieren dürfte.

Das ist, ein Jahr nach Vorstellung des Siegels, bestimmt keine so schlechte Bilanz. Allerdings auch kein Grund zu überschwänglicher Freude. Schließlich haben bislang lediglich fünf Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung überhaupt je Informationen zum Grünen Knopf eingeholt, trotz massiver Medienpräsenz des BMZ und seines Ministers Gerd Müller (CSU). Lediglich 70 Prozent der Siegel-Kenner gaben zudem an, dem Grünen Knopf auch zu vertrauen – obwohl er…