Babiš hat den Großteil seines Lebens damit verbracht, Milliardär zu werden. Er wuchs als Sohn eines tschechoslowakischen Diplomaten in Genf und Paris auf und gründete nach der Wende den Agrar-, Medien- und Chemiekonzern Agrofert, der zum viertgrößten Unternehmen des Landes wuchs. Inzwischen ist Babiš einer der wohlhabendsten Männer Tschechiens.

2011 schuf er die Protestpartei Ano („Aktion unzufriedener Bürger“), die bei der Wahl zwei Jahre später zweitstärkste Kraft wurde. Zunächst diente Babiš als Finanzminister und Vizepremier, ehe er über Vorwürfe des Steuer- und Subventionsbetrugs stürzte. Bei der folgenden Wahl holte seine Partei trotzdem die meisten Stimmen, Babiš wurde Premier.

Obwohl er Tschechien seit fast drei Jahren regiert, inszeniert er sich nach wie vor als Antipolitiker. Manche nennen ihn den „tschechischen Donald Trump“.

In Brüssel ist Babiš vor allem wegen seiner Geschäfte umstritten. Europaparlamentarier kritisieren, EU-Subventionen in Millionenhöhe seien an seine Firmen geflossen, was der Premier bestreitet. Im vergangenen Jahr protestierten in Prag mehr als 200.000 Menschen gegen ihn, es war die größte Protestkundgebung seit 30 Jahren.

Babiš empfängt den SPIEGEL in seinem Prager Amtssitz an der Moldau. Es ist sein 66. Geburtstag, aber der Premier wirkt alles andere als heiter. Das Gespräch beginnt mit einem Wutanfall. Er hat eine Liste mit SPIEGEL-Artikeln ausgedruckt. „Sie lügen, um mir zu schaden“, sagt er.

SPIEGEL: Herr Ministerpräsident, Sie haben sich kürzlich darüber beklagt, dass einige Staaten in der EU Ländern wie Ungarn, Polen und Tschechien mangelnde Rechtsstaatlichkeit vorwerfen – zu Unrecht, wie Sie finden. Wer ist an dieser angeblich verzerrten Darstellung schuld?

Babiš: Was meine Person betrifft, geht es da um diese Geschichte mit dem angeblichen Interessenkonflikt …

SPIEGEL: Ihnen wird vorgeworfen, Ihren ehemaligen Konzern Agrofert, der auch in Deutschland tätig ist, noch immer aus dem Hintergrund zu…