Durch die Coronakrise werden die privaten Insolvenzen in Deutschland laut Prognosen des Informationsdienstleisters Crifbürgel in den kommenden Monaten deutlich zunehmen. Für 2021 erwartet Crifbürgel 100.000 private Insolvenzen – und für das laufende Jahr insgesamt 85.000 private Pleiten. 2019 waren es knapp 87.000.

Die Folgen der Corona-Pandemie ließen die private Verschuldung steigen, teilte Crifbürgel mit. Schon jetzt gelten rund 6,8 Millionen Verbraucher in Deutschland als überschuldet. Für viele dieser Personen sorgt Crifbürgel zufolge ein Schock auf der Einkommensseite für ein erhöhtes Risiko einer Privatinsolvenz.

Vor allem Soloselbstständige und Honorarkräfte aus unterschiedlichsten Branchen hätten von einem Tag auf den anderen ihr komplettes Einkommen verloren und seien unerwartet in eine finanzielle Schieflage geraten.

Die privaten Pleiten hatten im Jahr 2010 nach der Finanzkrise einen Höchststand von mehr als 139.000 Insolvenzen erreicht – seitdem sind sie Jahr für Jahr zurückgegangen.

Auch das erste Halbjahr 2020 sah mit knapp 37.000 Privatinsolvenzen und einem Rückgang um 8,4 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres noch gut aus. Doch bis Mitte März waren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die meisten Menschen noch intakt. „Die Insolvenzstatistiken bilden vor allem die Vergangenheit ab und sind ein Blick in den Rückspiegel“, sagte Crifbürgel-Geschäftsführer Frank Schlein.

Regional waren Crifbürgel zufolge im ersten Halbjahr 2020 die nördlichen Bundesländer stärker von privaten Insolvenzen betroffen als die südlichen. An der Spitze liegt Bremen mit 90 Fällen auf 100.000 Einwohner, danach folgt Niedersachsen mit 68. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 49 Privatinsolvenzen pro 100.000 Einwohner. Die wenigsten Fälle gibt es in Bayern (30), Baden-Württemberg (35) und Thüringen (36).

Trotz des bundesweiten Rückgangs gab es auch vier Bundesländer mit steigenden Fallzahlen. An der Spitze liegt hier abermals Bremen…