„Promenadenkonzertserie“ mag spießig klingen, nach 19. Jahrhundert – und tatsächlich fand das erste Proms-Konzert im August 1895 in London statt. Inzwischen aber sind die „Proms“, die klassischen Sommerkonzerte, die die BBC von Juli bis September allabendlich im Radio überträgt, im 21. Jahrhundert angekommen – und immer noch extrem beliebt. Die meisten der 70 Konzerte finden in der Royal Albert Hall im Londoner Stadtteil Kensington statt, wo es neben günstigen Sitzplätzen auch besonders billige Stehplätze gibt. Das Klassikfestival ist populär, viele „Prommers“ besuchen es schon seit Jahrzehnten, und manche verpassen kein einziges der Konzerte. Dabei wird ihnen nicht unbedingt ein leichtes, sondern ein oft anspruchsvolles, manchmal leises, gelegentlich experimentelles Programm serviert.

Die patriotischen Hymnen sind beim Publikum beliebt

Ganz anders als beim Abschlussprogramm der Saison. Die „Last Night of the Proms“ gibt sich volkstümlich. Zum Finale der jährlichen Sommer-Konzertreihe kommen traditionell viele Briten in Verkleidung und mit Tröten, sie singen laut mit, schwenken ihre Union-Jack-Fähnchen und kommentieren das Programm mit witzigen Zwischenrufen.

Normalerweise wird das Abschlusskonzert im Fernsehen übertragen, doch in diesem Jahr fällt das große Finale fürs Publikum aus. Covid-19 hat die Massenveranstaltung gekillt. Diesmal wird das Programm nur im Radio zu hören sein. Und trotzdem gab es im Vorfeld des Finales am 12. September schon großes Getöse. Denn zu den Schlagern des Abschlusskonzerts, die das begeisterte Publikum normalerweise laut mitgrölt, gehören einige umstrittene britische Lieder, vor allem die traditionellen Hymnen „Rule, Britannia“ und „Land of Hope And Glory“.

Darf man heute noch „Rule, Britannia“ im Radio singen?

Im Zuge der „Black-Lives-Matter“-Proteste hatte es einen heftigen Streit um die Liedtexte gegeben. In „Rule, Britannia“ von 1740, das normalerweise zum Finale gespielt wird, heißt es unter anderem: „Herrsche…