Für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft war es das erste Pflichtspiel nach der 289 Tage langen Corona-Zwangspause, für Bundestrainer Joachim Löw vor allem der erste Schritt auf dem Weg zum übergeordneten Ziel: der auf kommendes Jahr verschobenen Europameisterschaft. Präsenz und Aggressivität wollte er sehen – und in Abwesenheit der Champions-League-Teilnehmer aus München und Leipzig auch die Bewerbungen aus der zweiten Reihe.

Auch wenn es nach dem 1:1 (0:0) im Prestigeduell mit Spanien in der Nations League noch vieles zu verbessern gibt, dürften sich einige Sorgenfalten auf Löws Stirn geglättet haben: Bayern-Neuzugang Leroy Sané machte nach seinem Kreuzbandriss einen weitestgehend spritzigen und torgefährlichen Eindruck, auch wenn die Kräfte in der zweiten Halbzeit spürbar nachließen und er ausgewechselt werden musste. „Ich bin bei 80 Prozent. Ich hoffe, dass ich schnell den Rhythmus wiederfinde“, sagte Sané im ZDF. Ein weiterer Lichtblick: Neuling Robin Gosens von Atalanta Bergamo, der locker 90 Minuten durchspielte.

Gosens: „Wechselbad der Gefühle“

Schon in der Serie A und der Champions League hat Gosens zuletzt auf „seiner“ linken Seite sowohl defensiv als auch offensiv gezeigt, was er zu bieten hat – das ist auch dem Bundestrainer nicht verborgen geblieben, der ihm vor dem Spiel sogar einen Startplatz garantiert hatte. Seit dem WM-Vorrunden-Aus haben sich vor Gosens vier Spieler auf der linken defensiven deutschen Außenbahn versucht: Antonio Rüdiger, Nico Schultz, Jonas Hector und Marcel Halstenberg. Nun gibt es ernstzunehmende Konkurrenz.

Gosens, der bei Atalanta Bergamo die Saison seines Lebens gespielt hat, bot all das, was Löw sehen wollte: Aggressivität und vor allem Präsenz. Dem Linksverteidiger gelang in seinem ersten Spiel sogar ein Assist: Das 1:0 durch Timo Werner bereitete er mit einem Klasse-Pass vor. „Ilkay spielt einen Riesen-Diagonalball, ich bin froh, dass ich direkt eine Vorlage geben konnte“, sagte Gosens später im ZDF.