Der russische Regierungskritiker Alexej Nawalny ist nach Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr mit dem chemischen Nervenkampfstoff Nowitschok vergiftet worden. Die Bundesregierung sieht das als „zweifelsfrei“ erwiesen an und fordert die russische Regierung eindringlich zur Aufklärung auf.

Die Welt will eine Antwort

Kanzlerin Angela Merkel sprach von einem „versuchten Giftmord“ an einem der führenden Oppositionellen Russlands: „Er sollte zum Schweigen gebracht werden.“ Es stellten sich jetzt „sehr schwerwiegende Fragen“, die nur die russische Regierung beantworten könne und müsse, sagte Merkel in einer ungewöhnlich deutlichen Stellungnahme, in der sie auch ihre persönliche Betroffenheit deutlich machte. Das Verbrechen gegen Nawalny richte sich „gegen die Grundwerte und Grundrechte, für die wir eintreten“, sagte sie. „Die Welt wird auf Antworten warten.“

Das Auswärtige Amt bestellte den russischen Botschafter Sergej Netschajew ein, um Russland dazu aufzufordern, „vollumfänglich und mit voller Transparenz“ aufzuklären. Russland müsse die Verantwortlichen ermitteln und zur Rechenschaft ziehen, sagte Außenminister Heiko Maas.

Das Untersuchungsergebnis erschüttert die ohnehin schon schwer angeschlagenen Beziehungen zwischen Russland und Deutschland sowie anderen westlichen Staaten noch einmal massiv. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, „jeder Einsatz von chemischen Waffen sei eine Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit“. Man werde mit Deutschland und allen anderen Bündnispartnern das weitere Vorgehen erörtern.

Feige und abscheulich

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen bezeichnete die Vergiftung des russischen Oppositionspolitiker als abscheulichen und feigen Akt. „Die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, forderte von der Leyen auf Twitter.

Ähnlich äußerte sich der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. Er wies daraufhin, dass das verwendete militärische Nervengift der Nowitschok-Gruppe von der Sowjetunion…