Die Coronavirus-Pandemie bedroht nach einem Bericht des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR die Zukunftschancen von Millionen minderjährigen Flüchtlingen. Der Ausfall der Schulen und die Not ihrer Familien könnten ihnen den Bildungsweg aus der Armut für immer abschneiden, warnte das UNHCR. „Nach allem, was sie durchgemacht haben, können wir ihnen jetzt nicht auch noch dadurch, dass sie nicht mehr zur Schule gehen können, die Zukunft rauben“, sagte UNHCR-Chef Filippo Grandi.

Er appellierte an die Regierungen, Flüchtlinge und Aufnahmeländer stärker zu unterstützen. Das UNHCR stellte die deutsche DAFI-Initiative für Stipendien als gutes Beispiel heraus. Sie hat seit 1992 mehr als 15.500 Geflüchteten ein Studium ermöglicht.

Das UNHCR hat für 2019 Daten aus zwölf Ländern ausgewertet, die besonders viele geflüchtete Minderjährige und deren Familien aufgenommen haben – darunter Jordanien, Pakistan, die Türkei und Uganda. Dort gingen 77 Prozent der geflüchteten Kinder in die Grundschule, 31 Prozent besuchten eine weiterführende Schule. Das ist laut UNHCR eine leichte Verbesserung. Weil die Erhebungsmethoden geändert wurden, seien direkte Vergleiche zu Vorjahren allerdings nicht möglich.

Dem Hilfswerk zufolge drohen Fortschritte aber zunichtegemacht zu werden. Viele Familien hätten wegen der Corona-Einschränkungen und Wirtschaftseinbrüche ihre Lebensgrundlage verloren. Sie könnten sich Schulmaterial und -kleidung nicht mehr leisten. Deshalb sähen sie sich gezwungen, ihre Kinder zur Arbeit anstatt in die Schule zu schicken. Vor allem für geflüchtete Mädchen sei die Situation hart: Man rechne damit, dass die Hälfte derjenigen, die vor der Coronakrise in einem der betrachteten Länder eine weiterführende Schule besuchten, den Schulbesuch nun abbrechen müssen.

Das UNHCR arbeitet mit Regierungen und Partnerorganisationen daran, Lernprogramme per Fernsehen, Radio oder online bereitzustellen, und unterstützt Lehrerinnen und Lehrer.

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