Die Nato will nach den neuen Erkenntnissen der Bundesregierung im Fall Nawalny über mögliche Konsequenzen beraten. Die Allianz werde „mit Deutschland und allen Bündnispartnern die Auswirkungen dieser Erkenntnisse“ erörtern, kündigte Generalsekretär Jens Stoltenberg an.

Die Bundesregierung hatte am Mittwoch mitgeteilt, ein chemischer Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe sei bei Nawalny von einem Spezial-Labor der Bundeswehr „zweifelsfrei“ nachgewiesen worden. Der Kremlkritiker wird derzeit in der Berliner Charité behandelt. Nawalny war am 20. August auf einem Inlandsflug in Russland zusammengebrochen und wenige Tage später zur Behandlung nach Berlin gebracht worden. Er liegt im Koma.

Westliche Verbündete reagierten entsetzt auf die Mitteilung der Bundesregierung. Jean-Yves Le Drian, Außenminister von Frankreich, forderte Aufklärung von Russland. Der Einsatz des militärischen Nervengifts der Nowitschok-Gruppe sei schockierend und verantwortungslos. Frankreich stehe im engen Kontakt mit den deutschen Behörden und weiteren Verbündeten, um eine Reaktion zu koordinieren, „insbesondere im Rahmen der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW)“, sagte Le Drian.

Ähnlich äußerte sich Großbritannien: Premierminister Boris Johnson forderte eine Erklärung von Moskau. „Es ist ungeheuerlich, dass eine chemische Waffe gegen Alexej Nawalny eingesetzt wurde“, schrieb Johnson auf Twitter. Die russische Regierung müsse nun erklären, was mit dem Oppositionellen passiert sei. „Wir haben die tödlichen Konsequenzen von Nowitschok hier in Großbritannien aus erster Hand erlebt“, hieß es in Johnsons Statement.

Damit spielt der Premier auf den Fall des 2018 in Salisbury vergifteten ehemaligen russischen Doppelspions Sergej Skripal und seiner Tochter Julia an. Beide überlebten nur knapp. Auch der britische Außenminister Dominic Raab forderte, Russland müsse „die Wahrheit sagen“.

Die Vergiftung Nawalnys sei „absolut verwerflich“, hatte das Weiße Haus schon kurz…