Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing warnt vor einer noch lange anhaltenden Wirtschaftskrise und gravierenden Folgen auch für die Banken. „Eine Rückkehr zu alter Wirtschaftsstärke wird länger dauern als allgemein angenommen wird“, sagte er bei einer vom „Handelsblatt“ veranstalteten Bankenkonferenz in Frankfurt. „Das Vor-Krisen-Niveau werden wir noch eine ganze Weile nicht erreichen – nicht in diesem und auch nicht im nächsten Jahr.“ Viele Unternehmen müssten es schaffen, mit langfristig geringeren Umsätzen profitabel zu sein. „Wir Unternehmen, wir alle müssen uns an das neue Umfeld anpassen – doch genau das geschieht noch nicht überall“, sagte Sewing am Mittwoch zum Auftakt der Veranstaltung. „Europa droht erneut unter seiner größten Schwäche zu leiden: Wir sind relativ gut darin, Krisenerscheinungen zu kontern. Aber wir sind langsamer darin, uns dauerhaft auf einen neuen Normalzustand einzustellen.“

„Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Wirtschaft in einigen Bereichen nur mit 90, 80 oder gar 70 Prozent ihrer Kapazität läuft“, sagte Sewing. „Das hat gravierende Folgen.“ Einige Firmen würden es in ihrer aktuellen Aufstellung schwer haben, auf diesem Niveau gewinnbringend zu arbeiten. „Wenn jedes sechste Unternehmen in Deutschland durch Rettungsgelder und faktisch ausgesetzte Insolvenzmeldungen ein ‚Zombie‘ wird, wie die Auskunftei Creditreform befürchtet, dann hätte das gravierende Auswirkungen auf die Produktivität in unserer Volkswirtschaft.“

Für die Deutsche Bank bedeute das, „sehr wachsam“ zu sein und das Kapital sorgfältig einzusetzen. „So sehr wir also Teil der Lösung bleiben wollen, werden wir doch differenzieren müssen. Die Grundlage für Kredite muss ein tragfähiges Geschäftsmodell sein.“ Die Deutsche Bank selbst sei aber gut aufgestellt, die Krise zu meistern. Sewing hatte im vergangenen Jahr einen umfassenden Konzernumbau auf den Weg gebracht, in dessen Zuge weltweit 18.000 Stellen wegfallen und das Investmentbanking verkleinert…