In der bulgarischen Hauptstadt Sofia sind bei Zusammenstößen zwischen Regierungskritikern und Polizisten dutzende Menschen verletzt worden. Einem Medienbericht zufolge sind mindestens 38 Personen verletzt ins Krankenhaus eingeliefert worden, darunter Polizisten und Journalisten.

Zuvor hatten Demonstranten versucht, eine Polizeiabsperrung um das Parlament zu durchbrechen. 

35 Menschen sind demnach festgenommen worden. Die meisten davon sollen dem Polizeipräsidenten Georgi Chadschiew zufolge bereits straffällig gewordene Fußball-Ultras sein. Chadschiew wies Anschuldigungen von Menschenrechtsaktivisten zurück, wonach die Einsatzkräfte unverhältnismäßig hart gegen die Demonstranten vorgegangen seien.

Ministerpräsident Borissow wird Korruption vorgeworfen

Die Proteste richten sich gegen die Regierung von Ministerpräsident Boris Borissow, dem die Demonstranten Korruption und Nähe zu Oligarchen vorwerfen. Tausende Demonstranten skandierten im Zentrum von Sofia „Rücktritt“ und „Mafia“. Einige warfen mit Steinen, Eiern und Tomaten. Die Polizei setzte Pfefferspray und Tränengas gegen die Menschen ein. Sechs der ins Krankenhaus eingelieferten Verletzten hatten Verbrennungen oder Atemprobleme.

Das bulgarische Parlament berät sich nach der gerade zu Ende gegangenen Sommerpause über einen Vorschlag der Regierung zur Änderung der Verfassung. Am Mittwoch konnte Borissows Partei GERB die nötigen 120 Stimmen mobilisieren, um den Vorschlag einen Schritt weiter zu bringen – Beobachter bezweifeln aber, dass die Regierung die nötigen 160 Stimmen zusammenbekommt, um die nächste Stufe des Verfahrens zu erreichen.

Kritiker werfen Borissow vor, dass die Verfassungsreform keine stärkeren Rechenschaftspflichten für den Chef der bulgarischen Staatsanwaltschaft vorsieht. Der aktuelle Chefankläger Iwan Geschew sieht sich wegen mutmaßlicher Verbindungen zu den mächtigen Oligarchen des Landes ebenfalls mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Gleichzeitig soll die Reform aber die Rechte…