1. Jens erst recht – Spahns Strategie

Etwas Banales sagen und es bedeutungsvoll klingen lassen – wer diese Gabe perfektioniert, kommt ziemlich weit, im Büro wie am Kneipentresen. Und natürlich auch in der Politik, wo die Themenwelten Büro und Kneipe zusammenfinden. Der aktuelle Binsenmeister, und das meine ich durchaus anerkennend, ist Gesundheitsminister Jens Spahn von der CDU, wie diese Auswahl aktueller Zitate zeigt:

„Das ganze Leben ist ein Risiko.“

„Wir lernen jeden Tag besser, unseren neuen Alltag zu finden mit diesem Virus.“

„Man kann die Lage vom März nicht mit dem Wissen vom September bewerten.“

„Man würde mit dem Wissen heute keine Friseure und keinen Einzelhandel mehr schließen.“ 

Meine Kollegin Julia Merlot aus dem Wissenschaftsressort sagt: „Es klingt, als würde er Fehler einräumen, dabei verteidigt er die Entscheidungen, wenn man genau hinhört.“ (Eine ausführliche Analyse finden Sie hier.) 

Dazu kommen die Auftritte im NRW-Kommunalwahlkampf, bei denen Spahn auch vor Gesprächsversuchen mit Leuten nicht zurückschreckt, die erkennbar nicht am Dialog interessiert sind – die ihn anspucken und anpöbeln. Ich, der Gesprächsbereite, das ist die Botschaft – die ja nicht falsch sein muss. Mein Kollege Sebastian Fischer aus unserem Hauptstadtbüro sagt: „Alles, was Spahn sagt und macht, dient auch der Inszenierung.“ Was Sebastian nicht negativ verstanden wissen will, Inszenierung gehöre eben zum politischen Handwerk. „Wer seine Politik nicht erzählen kann, bekommt ein Problem.“ 

Er erinnert an einen Spahn-Satz aus dem Frühling: „Wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich einander viel verzeihen müssen“, hatte der Minister verkündet. „Auch das eine Binse, aber eine clevere“, sagt Sebastian. Banal und bedeutungsvoll.

2. „Zweifelsfreier Nachweis“, „bestürzende Informationen“

Bürokratisch nüchtern ist die Mitteilung des Regierungssprechers formuliert, der Inhalt ist brisant genug:

„Auf Veranlassung der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat ein…