„Das ganze Leben ist ein Risiko“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwoch in Berlin. Der Satz klingt pathetisch, sollte aber wohl ausdrücken, dass das neuartige Coronavirus längst nicht die einzige Gefahr ist, mit der die Bevölkerung tagtäglich konfrontiert ist. Doch ist die Corona-Pandemie seit einem halben Jahr die wohl präsenteste, das weiß auch Spahn.

Offenbar wollte er bei der Pressekonferenz zur Lage der Krankenhäuser dennoch Zuversicht vermitteln: „Wir lernen jeden Tag besser, unseren neuen Alltag zu finden mit diesem Virus.“ Man wisse inzwischen sehr viel mehr über Therapiemöglichkeiten, Infektionsrisiken und Bekämpfungsmaßnahmen als am Anfang. Die Balance zwischen Schutz und Risiko gelinge immer besser, sagte der CDU-Politiker. „Das Virus ist dynamisch, wir müssen es auch sein.“ Etwa im Einzelhandel oder in Pflegeeinrichtungen sei die Lage mit Hygienekonzepten und Masken derzeit gut im Griff. Bei höheren Infektionszahlen könne man nun regional oder lokal reagieren. Man werde das sicherlich nicht noch einmal flächendeckend tun, versprach er. „Damit können wir zuversichtlich in Herbst und Winter gehen.“

Keine Besuchsverbote mehr, aber Beschränkungen

Auch die Medizin habe inzwischen Fortschritte gemacht, sagte er. Ob Entscheidungen, die im Frühjahr getroffen wurden, rückblickend falsch seien? „Man kann die Lage vom März nicht mit dem Wissen vom September bewerten“, sagte er. Im März sei das Virus noch komplett neu gewesen. „Jetzt können wir das alles besser einschätzen.“ Schon im April hatte Spahn um Verständnis für schwierige politischen Entscheidungen in den Zeiten der Pandemie geworben. Er sagte damals: „Wir werden miteinander wahrscheinlich viel verzeihen müssen in ein paar Monaten.“

Zu ein wenig Vorsicht mahnte er dann doch: „Wir müssen aufpassen, dass keine neue Dynamik entsteht und es uns nicht entgleitet“, sagte er. Die AHA-Regeln müssten beachtet werden, es müsse in die Vernetzung von Krankenhäusern investiert…