Im Camp Moria auf der griechischen Insel Lesbos wurde erstmals ein Coronafall registriert. Vertreter des griechischen Einwanderungsministeriums bestätigten den Fall. Es handelt sich um eine 40-jährigen Mann. Die Behörden versuchen nachzuverfolgen, mit wem er in Kontakt gestanden habe.

Nach SPIEGEL-Informationen ist der Mann ein anerkannter Flüchtling aus Somalia. Er reiste im Sommer nach Athen und kehrte dann freiwillig nach Moria zurück, laut der Nachrichtenagentur dpa, weil er in Athen keine Arbeit gefunden hatte. Die Krankheit wurde in einer Klinik diagnostiziert, offenbar durch Zufall.

Lockdown in Moria soll verschärft werden

Die Behörden arbeiten daran, eine neue Gesundheitsstation für Covid-19-Patienten in Betrieb zu nehmen. Außerdem planen sie, den Lockdown in Moria zu verschärfen. Die Flüchtlinge müssen für zunächst rund zwei Wochen innerhalb des von der Polizei kontrollierten Umkreises bleiben.

Seit Monaten können sich die Flüchtlinge von Moria außerhalb des Camps nicht mehr frei bewegen. Die Maßnahmen dienten dem Schutz der Flüchtlinge, betonen die Behörden. Im Lager leben mehr derzeit mehr als 12.000 Menschen – unter zumeist unmenschlichen Bedingungen. Distanz zu halten, sich ausreichend die Hände zu waschen, ist unmöglich. Bisweilen gibt es kein fließend Wasser oder Elektrizität.

Im Camp von Vial konnte das Virus gestoppt werden

Seit Mitte August sind in Mytilini, der Hauptstadt der Insel Lesbos, vier Menschen mit Coronavirus gestorben. Das Virus breitet sich in der Stadt aus. Mehr als 100 Fälle wurden auf der Insel registriert. Lesbos hat, inklusive der Flüchtlinge, nur rund 100.000 Einwohner. Bereits im Mai waren zwei Migranten, die aus der Türkei eingereist waren, positiv auf das Virus getestet.

Mitte August waren im Camp von Vial auf der benachbarten Insel Chios fünf Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Ausbreitung des Virus konnte jedoch durch Isolierung der Erkrankten gestoppt werden.

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