Der Machtkampf innerhalb der Lokführergewerkschaft GDL im Jahr 2013 könnte ein teures Nachspiel haben. Das Oberlandesgericht Frankfurt (OLG) hat die GDL zur Zahlung von knapp 170.000 Euro an einen ehemaligen stellvertretenden Bundesvorsitzenden verurteilt. Die außerordentliche Kündigung seines Dienstvertrages sei unwirksam, entschied das Gericht. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Die GDL kann die Zulassung der Revision vor dem Bundesgerichtshof beantragen.

Der frühere Vize-Vorsitzende Thorsten Weske war im April 2013 nach Meinungsverschiedenheiten mit GDL-Chef Claus Weselsky aus der Gewerkschaftsführung gedrängt worden. Zwei Jahre später wurde Weske gemeinsam mit weiteren früheren Führungskräften sogar ganz aus der Gewerkschaft geworfen. Weske hatte wiederholt den konfrontativen Kurs Weselskys in den Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn kritisiert. Zudem hatte er im Streit um ein Arbeitgeberdarlehen einen Vorstandskollegen unterstützt.

Nach einer wirksamen Amtsenthebung des stellvertretenden Bundesvorsitzenden sei dessen Dienstvertrag nicht wirksam gekündigt worden, begründete das OLG seine Entscheidung. Es fehle sowohl an einer rechtzeitig vom dafür zuständigen Hauptvorstand ausgesprochenen Kündigungserklärung als auch an einem wichtigen Grund für die Kündigung.