Der Präsident präsentierte sich wieder einmal in seiner derzeitigen Lieblingsrolle, als Verfechter von Recht und Ordnung in Amerika. Erst stapfte er durch die Trümmer eines abgebrannten Hauses, dann ließ er sich mit Polizisten fotografieren.

Ganz schlimm sei das, was hier passiert sei, erklärte Donald Trump bei einem Besuch in der Stadt Kenosha im Süden des Bundesstaates Wisconsin. Die Unruhen, die Proteste nach den Schüssen auf den Schwarzen Jacob Blake vor einigen Tagen. Dies sei kein „friedlicher Protest“, sondern „Inlandsterrorismus“.

Aber zum Glück gebe es ja die Polizei und die Nationalgarde. Sie hätten durchgegriffen und die Situation wieder unter Kontrolle gebracht, lobte er. Recht und Ordnung seien eine großartige Sache, so Trump. „Manche Leute denken, das sind schreckliche Worte: Recht und Ordnung. Doch sie sind es nicht: Sie sind wunderschön.“

Trumps Besuch in Kenosha dauerte nur wenige Stunden, dann war der Präsident auch schon wieder auf dem Rückweg nach Washington. Aus seiner Sicht muss sich die Kurzvisite trotzdem gelohnt haben.

Einmal mehr konnte Trump vor den TV-Kameras der Nation seine Botschaft unter das Wahlvolk bringen: Allein er werde künftig der Garant von Sicherheit im Land sein. Die Demokraten, ihr Kandidat Joe Biden und radikale Linke, Brandstifter und Plünderer würden die USA hingegen in den Abgrund führen. Eben so wie Kenosha.

Gute Umfragen für Trump

Es ist eine rechte simple Taktik, mit der der Präsident versucht, Wähler zu gewinnen. Er will sich mit dem „Law-und-Order“-Kurs als starker Mann präsentieren und zugleich von den massiven Problemen des Landes in der Corona-Pandemie ablenken.

Die Wette kann funktionieren – oder auch nicht. Mit einiger Nervosität halten sowohl Trumps Republikaner als auch die Demokraten Ausschau nach möglichen Indizien für eine Veränderung der Stimmung im Wahlvolk. Die wahre Gemütslage der Nation ist nach den beiden Parteitagen, nach Kenosha und nach den jüngsten Unruhen in Portland aber nicht…