Seit je ist die „rentrée“ in Frankreich, die zeitgleiche Rückkehr aller Schüler nach acht Wochen langen Sommerferien, ein sehr französisches Ereignis: Zeitungen und Abendnachrichten berichten über den kollektiven Schulbeginn, der das Ende des Sommers einläutet. Eltern kaufen neue Ranzen, Stifte und Hefte, die sie an langen Abenden mit den Namen ihrer Kinder beschriften. Frauenzeitschriften und Erziehungsratgeber geben Tipps für eine gelungene, stressfreie „rentrée“. Es ist, als beginge die Nation einen landesweiten Neustart mitten im Jahr – und das hatte auch immer etwas Beschwingtes.

Nicht allerdings in diesem Jahr. 12,4 Millionen Schüler kehrten am 1. September in Frankreich in ihre Grundschulen, Collèges und Gymnasien zurück, aber die „Rentrée 2020“ ist mit vielen Ängsten besetzt. Denn wie kann man zur viel beschworenen Normalität zurückkehren, wenn nach wie vor nichts normal ist? Wenn die Infizierten-Zahlen seit Tagen rasant ansteigen und mittlerweile 21 der 101 französischen Départements zu Risikogebieten erklärt wurden?