Drohnen über dem futuristischen Glasgebäude sind verboten, die Sicherheitsvorschriften wurden verschärft. Nicht im alten Justizpalast im Zentrum von Paris, sondern im neuen Justizgebäude am nördlichen Stadtrand begann der historische Prozess um die Attentate auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ 2015.

Wegen Corona wurde eine ganze Etage reserviert, nur jeder zweite Platz im Gerichtssaal ist besetzt. Anwälte, Zivilkläger und Journalisten sind in Extraräumen untergebracht. Die Verhandlung wird auf Bildschirmen übertragen. Zu Beginn des Prozesses wurden die 200 Zivilkläger und Experten aufgerufen. Ein Urteil soll voraussichtlich am 10. November gefällt werden.

Es ist ein gigantischer Aufwand. Neben den 200 Nebenklägern sollen 144 Zeugen gehört werden, 94 Anwälte und 90 Journalisten sind dabei. Angeklagt sind 14 Männer und Frauen, die bei der Vorbereitung geholfen haben sollen. Drei von ihnen wurden noch nicht gefasst und sind möglicherweise schon tot. Die drei Haupttäter waren von Sicherheitskräften erschossen worden. In Frankreichs Medien ist deshalb von einem Prozess der „zweiten Reihe“ die Rede. Die Erwartungen sind dennoch groß.

Der Geruch von Blut und Schießpulver

Der islamistische Terrorangriff gegen „Charlie Hebdo“ erschütterte Frankreich und die ganze Welt. Vor Gericht geht es aber nicht nur um diese Attacke, sondern um eine mehrtägige Anschlagsserie, bei der im Januar 2015 insgesamt 17 Menschen ermordet wurden. Bei „Charlie Hebdo“ starben am 7. Januar 2015 zwölf Menschen, darunter der Zeichner Stéphane Charbonnier. Die Täter, die Brüder Chérif und Said Kouachi, wurden auf der Flucht erschossen. Der Islamist Amedy Coulibaly tötete in den Tagen nach dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“ eine Polizistin im Süden von Paris und vier Geiseln in dem koscheren Supermarkt Hyper Cacher im Osten der Hauptstadt. Er starb durch Kugeln der Polizei, als Spezialkräfte das Gebäude stürmten.

„Ich werde es nie vergessen“, sagte François Molin, damals…