An den Wänden hängen Plakate gegen das Berliner Humboldt Forum, Ventilatoren rattern, Neonröhren werfen ihr grelles Licht auf die Nachbildung des sogenannten „Tangué“, die in dem schmucklosen Konferenzraum der Stiftung AfricAvenir in Douala, der größten Stadt Kameruns, steht. Das Replikat ist eine Art Mahnmal. Denn das Original, der kunstvoll aus Holz geschnitzte Schiffsschnabel, der einst, im 19. Jahrhundert, die Spitze eines königlichen Kanus zierte, ist geraubt. Der Tangué ist ein rituelles Objekt, das die Menschen in der Küstenstadt mit den spirituellen Kräften des Flusses verbindet. Er befindet sich seit mehr als 130 Jahren in Deutschland, rund 5000 Kilometer Luftlinie entfernt, im Münchner Museum Fünf Kontinente.

Die Stiftung AfricAvenir in Douala besitzt nur eine Nachbildung des Tangué

Für den Gründer der Stiftung AfricAvenir, Prinz Kum’a Ndumbe III., ist das bis heute ein schmerzlicher Verlust. Der Historiker und Germanist war lange als Hochschullehrer an der Freien Universität Berlin tätig. „Alles, was eine tiefe spirituelle Bedeutung hatte für die Afrikaner, das hat man weggenommen, um ihnen dann sozusagen Ersatz-Religionen zu bringen. Aber man kann doch nicht die Seele ganzer Völker rauben, wegbringen und dann sagen, man bringt ihnen Zivilisation!“, sagt er im Interview für die DW-Dokumentation „Die gestohlene Seele“.

Ein klarer Fall von kolonialer Raubkunst

Als Ende des 19. Jahrhunderts Kamerun im Begriff ist, deutsche Kolonie zu werden, ist der Tangué noch im Besitz von Lock Priso, dem Oberhaupt der königlichen Bele Bele Familie, Herrscher eines Stadtteils von Douala. Um sich exklusive Handelsvorteile zu sichern, überzeugen die Deutschen damals die Könige der florierenden Küstenstadt Douala, einen Schutzvertrag zu unterzeichnen. Nur einer verweigert seine Unterschrift: Lock Priso, der Großvater von Stiftungsgründer Kum’a Ndumbe.

1884: Das deutsches Kriegsschiff S.M.S. Olga beschießt Hickorytown, das Dorf von Lock Priso

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