Die Liste reicht von A wie Airbus bis W wie Wacker Chemie: Fast 30 Unternehmen waren dabei, als Angela Merkel im Herbst letzten Jahres China bereiste. Eine weitere Firma war zwar nicht Teil der offiziellen Wirtschaftsdelegation, wurde von der Kanzlerin aber trotzdem gegenüber der chinesischen Führung erwähnt – Wirecard.

Wie genau kam der Zahlungsdienstleister zu dieser Ehre? Das ist eine der Fragen, die nun ein Untersuchungsausschuss des Bundestags klären soll. Nach FDP und Linken unterstützen seit Dienstag auch die Grünen die Einrichtung eines solchen Gremiums. Damit ist die notwendige Mehrheit erreicht – auch ohne Stimmen der AfD, die ebenfalls eine Untersuchung fordert.   

Die Einrichtung des Untersuchungsausschusses ist richtig. Selbstverständlich tragen in erster Linie die mutmaßlichen Betrügern an der Spitze von Wirecard die Verantwortung für den Skandal. Dass er überhaupt geschehen und so lange unentdeckt bleiben konnte, lag jedoch – wie bei so vielen Skandalen -an einem System organisierter Verantwortungslosigkeit.

Es ist nicht zu erwarten, dass der Ausschuss angesichts dieses Chaos einen eindeutigen Hauptschuldigen für den Skandal findet. Aber er kann abklopfen, wo private und staatliche Prüfer versagt haben und deshalb Reformbedarf besteht. Und er sollte untersuchen, warum Wirecard auch dann noch wohlwollende Unterstützung der Regierung bekam, als der Konzern längst unter Verdacht stand.

In Regierungskreisen wird der Einsatz für Wirecard als wirtschaftspolitische Routine verteidigt. Wenn man nur noch Unternehmen mit blütenweißer Weste unterstütze, heißt es mit Verweis auf Deutsche Bank oder Siemens, sei eine Wirtschaftsförderung im Ausland kaum noch möglich. Doch das kann nicht die ganze Antwort sein.

Hilfe, von der viele Firmen träumen

Eine Erwähnung durch die Kanzlerin, einen Minister oder auch Staatssekretär kann für Unternehmen Gold wert sein – zigtausende Firmen in Deutschland würden sich solche Fürsprache von höchster Stelle…