Eine Verdachtsmeldung der Anti-Geldwäsche-Einheit des Zolls zu Wirecard ist nach Einschätzung von Bundestags-Abgeordneten bei der zuständigen Staatsanwaltschaft versandet. Bereits 2019 habe die so genannte Financial Intelligence Unit (FIU) das Landeskriminalamt Bayern über merkwürdige Transaktionen von Wirecard-Vorständen informiert. Damit hätte der Skandal deutlich früher auffliegen können, sagte der Wirecard-Experte der SPD im Bundestag, Jens Zimmermann.

Er verwies damit auf Aussagen bei der Sondersitzung des Finanzausschusses am Montagabend. „Die viel gescholtene Einheit des Zolls hat 2019 offenbar die heiße Spur auf diesen Fall gehabt.“ Die Hinweise, die er als „Smoking Gun“ bezeichnete, seien dann aber versandet und nicht weiterverfolgt worden von der Staatsanwaltschaft in Bayern. „Das ist natürlich ein Punkt, der schon aufhorchen lässt“, sagte Zimmermann.

„Das ist natürlich auch eine Taktik“

Zimmermann ergänzte, die bayerische Staatsregierung habe am Montag nicht zur Aufklärung beigetragen, keinen Minister in den Ausschuss geschickt, sondern nur einen Abteilungsleiter. „Das ist natürlich auch eine Taktik.“

Die FIU ist beim Zoll angesiedelt. Sie analysiert Geldwäsche-Verdachtsfälle und leitet sie an Strafverfolgungsbehörden beziehungsweise Steuer- und Verwaltungsbehörden weiter, sofern Hinweise auf Straftaten bestehen.

Auch der FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar kritisierte die bayerische Landesregierung. Spätestens seit der Wirecard-Insolvenz fühle sich Bayern nicht mehr zuständig für die Geldwäscheaufsicht des Unternehmens. Wenn die Hinweise 2019 ernst genommen worden wären, hätte es wohl früher Zweifel an den Hauptakteuren gegeben. Die Ermittlungen seien aber schnell eingestellt worden. „Deswegen ist Wirecard gestern auch ein Stück weit mehr nach Bayern gerückt.“ 

Der inzwischen insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard hatte im Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Im Finanzausschuss sollten am Dienstag unter…