Die Weltgesundheitsorganisation hat Regierungen zu einem „ehrlichen Dialog“ mit Demonstranten aufgerufen, die gegen staatliche Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie protestieren. Die Demonstranten müssten jedoch auch einsehen, dass das Virus „real“ und „gefährlich“ sei, erklärte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus (Artikelbild) in Genf. „Es breitet sich aus und es tötet.“

Die Regierungen sollten mit Besonnenheit auf Protestaktionen reagieren, ergänzte WHO-Experte Mike Ryan. Gerade jetzt komme es darauf an, nicht noch mehr Spaltung in der Gesellschaft zu befördern. Überzeugungsarbeit zur Notwendigkeit von Maßnahmen könne manchmal scheitern. „Aber es ist wirklich wichtig, dass man nicht seinen Willen aufzwingt“, betonte Ryan. Es gebe ein Recht darauf, nicht zuzustimmen. Ausnahmesituation wie die Corona-Krise erzeugten immer starke Gefühle und Reaktionen.

Natürlich sei es auch ein Gebot, dass die Proteste in einer sicheren Art und Weise abliefen, die das Risiko einer Übertragung nicht erhöhe, sagte Ryan weiter. Auch das könne durch Zuhören und Dialog erreicht werden.

„Was ist da los?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn warnte davor, die Berliner Demonstration gegen staatliche Corona-Auflagen als exemplarisch für die „Gesamtstimmung im Land“ anzusehen. „Wir sehen in Umfragen und ich spüre in Veranstaltungen, dass es insgesamt eine große Unterstützung für unsere Politik gibt“, so der Christdemokrat im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF).

Aber es gebe auch Kritik, mit der man sich auseinandersetzen könne, meinte Spahn. „Oder eben Szenen, wo purer Hass zu erleben ist. Da ist natürlich eine Diskussion am Ende nicht möglich. Die hat keine Grundlage. Weil man einander nicht zuhört.“

Eine durchaus „bunte Mischung“: Demo-Teilnehmer am Samstag in Berlin

Überrascht zeigte sich der deutsche Gesundheitsminister über die Zusammensetzung der Demos: „Was mich echt beschäftigt, ist, dass die Regenbogenflagge, die Flagge von Freiheit, Recht, Emanzipation der…