Der Start-up-Investor Rocket Internet will sich nach gut sechs Jahren von der Börse zurückziehen. Der Kapitalmarkt habe als Finanzierungsmöglichkeit für das Unternehmen an Bedeutung verloren, teilte Rocket Internet mit. Viele der aktuellen und früheren Beteiligungen von Rocket sind mittlerweile an der Börse notiert, wie das Online-Versandhaus Zalando, der Kochboxenversender Hellofresh und der Essenslieferdienst Delivery Hero.

Rocket Internet war an die Börse gegangen, um die Expansion zu finanzieren. Die Nutzung des öffentlichen Kapitalmarktes als wesentlicher Grund einer Börsennotierung sei nun aber „nicht mehr erforderlich“, erklärte der Konzern. Außerhalb der Börse könne das Unternehmen sich zudem „unabhängig von temporären Umständen“ und Berichtspflichten besser auf eine langfristige Entwicklung konzentrieren.

Aktienbesitzern drohen hohe Verluste

Rocket plant, den Aktionären ihre Anteilsscheine zu je 18,57 Euro abzukaufen – und damit billiger, als sie am Montagabend vor der Bekanntgabe der aktuellen Pläne mit 18,95 Euro zu haben gewesen waren. Die Aktionäre rechnen offensichtlich damit, dass das Unternehmen eine Schippe drauflegt: Im frühen Handel legte der Kurs um 1,3 Prozent auf 19,20 Euro zu. Rocket Internet ist damit etwa 2,6 Milliarden Euro wert.

Der gebotene Preis entspreche dem volumengewichteten Durchschnittskurs der letzten sechs Monate, argumentierte Rocket. Die Corona-Krise hatte den Kurs im März auf 16 Euro einbrechen lassen, was den Durchschnitt nach unten drückt. Sollte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einen höheren Mindestpreis errechnen, werde dieser maßgeblich sein, hieß es weiter.

Zum Vergleich: An die Börse gegangen war Rocket Internet im Oktober 2014 zu 42,50 Euro pro Aktie. Zeichnern der Papiere, die sie bis heute gehalten haben, drohen also hohe Verluste.

Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 24. September sollen die Rocket-Aktionäre über den Einzug der im Rahmen des Delistingprozesses…