Rund eine Viertelmillion Bilder der amerikanischen „Landsat“-Satelliten hat ein Team um den Geowissenschaftler Dan Shugar, der an den Universitäten im kanadischen Calgary sowie in Tacoma im US-Bundesstaat Washington arbeitet, kürzlich ausgewertet. Sie wollten wissen, wie sich die Gletscherseen der Erde entwickeln. Weil in vielen Gebirgsregionen die Gletscher im Zuge der menschgemachten Erderwärmung an Eis verlieren, wäre zu erwarten, dass die Gletscherseen dadurch mit zusätzlichem Wasser versorgt werden.

Im Fachmagazin „Nature Climate Change“ berichtet die Gruppe nun von ihren Ergebnissen. Demnach ist die Zahl und Fläche von Gletscherseen in der Zeit zwischen 1990 und 2015 in der Tat gestiegen – und zwar um jeweils rund 50 Prozent. Besonders schnell sei das Wachstum in Skandinavien, Island und Russland vonstattengegangen. Die Gletscherseen dort seien im internationalen Vergleich jedoch klein. Die Seen in der südamerikanischen Region Patagonien und in Alaska hätten zwar langsamer zugelegt, seien im Schnitt aber deutlich größer. Manche Gletscherseen, zum Beispiel im Südwesten Grönlands, wurden im Auswertungszeitraum auch kleiner. Das dürfte damit zu tun haben, dass das Schmelzwasser in diesen Fällen bereits abgeflossen ist.

Der Studie zufolge bedecken 14.394 Gletscherseen auf der Erde eine Gesamtfläche von fast 9000 Quadratkilometern. Drastisch gestiegen ist den Forschern zufolge auch die Wassermenge, die in den Gewässern gespeichert ist – und zwar um 48 Prozent. Sie liegt nun bei 156,5 Kubikkilometern.

„Unsere Ergebnisse zeigen, wie schnell die Oberflächensysteme der Erde auf den Klimawandel reagieren und wie global dies passiert“, so Co-Autor Stephan Harrison von der Universität im britischen Exeter. „Noch wichtiger ist, dass unsere Ergebnisse dazu beitragen, eine Lücke in der Wissenschaft zu schließen. Denn bis jetzt war nicht bekannt, wie viel Wasser in den Gletscherseen der Welt gespeichert ist.“

Bildlich gesehen sind dies also fast 160 Wasserwürfel…