Abwehr feindlicher Sabotage- und Aufklärungstrupps: Dieses Szenario probte das belarussische Militär auch am Montag unweit der Grenzen zu Polen und Litauen. Die Aufnahmen wurden von der Armee veröffentlicht und im staatlichen Fernsehen ausgestrahlt. 

Machthaber Lukaschenko hatte zuvor erklärt, die Demonstrationen in der ehemaligen Sowjetrepublik seien „von außen“ gesteuert. Wiederholt hatte er mit dem Einsatz der Armee gedroht. Das Manöver unweit der EU-Grenze unterstreicht die Drohung – und lenkt von Protesten im Inneren ab.  

Die gingen unvermindert weiter: In der Hauptstadt Minsk boykottierten am Dienstag hunderte Studierende den Start des neuen Studienjahres und protestierten gegen das Regime. Sicherheitskräfte griffen ein, mehrere Studenten wurden festgenommen.   

Am vergangenen Sonntag wurden bei einer Demonstration mit mehr als 100.000 Teilnehmern zahlreiche Menschen verhaftet. Machthaber Lukaschenko ließ Schützenpanzer auffahren – und stellte mögliche Reformen in Aussicht. 

Die Opposition zeigte sich unbeeindruckt: Sie gab per Videobotschaft die Gründung einer neuen Partei bekannt: „Wmestje“ – übersetzt: „Gemeinsam“.  

Maria Kolesnikowa, Mitbegründerin „Wmestje“ 

„In den vergangenen drei Monaten haben wir alle miteinander mehr geschafft, als in den vergangenen 26 Jahren. Gemeinsam haben wir über eine halbe Millionen Unterschriften gesammelt. Miteinander haben wir gekämpft und werden weiter kämpfen – für die Freiheit und für unsere Zukunft.“

Die neue Partei will sich für eine Verfassungsänderung einsetzen. Nur mit einer Begrenzung der Amtszeit für den Präsidenten, Gewaltenteilung und der Stärkung des Parlaments könne es ein neues Regierungssystem geben, hieß es.