Der ruandische Regierungskritiker Paul Rusesabagina, der während des Völkermords in seinem Land Hunderte Menschen gerettet haben soll und Held eines Hollywood-Films wurde, ist festgenommen worden. Ihm werde Terrorismus, Brandstiftung und Entführung sowie Mord in zwei Fällen vorgeworfen, sagte ein Sprecher des Ruandischen Ermittlungsbüros (RIB). Die Morde sollen sich demnach im Juni und Dezember 2018 in Ruanda ereignet haben. Auf Twitter teilte die Behörde zudem mit, Rusesabagina sei mutmaßlich der Gründer und Leiter von „gewalttätigen, bewaffneten, extremistischen Terrorgruppen“.

Die Festnahme sei im Rahmen einer „Kooperation mit der internationalen Gemeinschaft“ erfolgt, sagte der Sprecher weiter. Man habe mit einem internationalen Haftbefehl nach ihm gesucht. Weitere Angaben zum Ablauf der Festnahme oder der Rolle internationaler Behörden machte der Sprecher nicht, weil dies „Ermittlungen gefährden könnte“. Rusesabagina befinde sich in der ruandischen Hauptstadt Kigali in Polizeigewahrsam.

Rusesabagina lebte zuletzt in Belgien und setzte sich aus dem Exil für politischen Wandel und gegen den langjährigen Präsidenten Paul Kagame ein. Eric Van Duyse von der belgischen Staatsanwaltschaft sagte der Nachrichtenagentur AFP, seine Behörde sei von der Festnahme informiert worden. „Uns liegen aber keine Einzelheiten zu den Umständen vor“, sagte Van Duyse.

Filmreife Heldengeschichte – und Widerspruch von Überlebenden

Während des Genozids 1994, durch den mehr als 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu getötet wurden, leitete Rusesabagina ein Hotel in der Hauptstadt Kigali. Er soll damals mehr als 1200 Menschen Zuflucht auf dem Hotelgelände gewährt und ihre Leben gerettet haben. Seine Lebensgeschichte wurde mit Don Cheadle in der Hauptrolle in „Hotel Ruanda“ verfilmt, das Werk war für drei Oscars nominiert. Allerdings wird diese Erzählung von der Regierung und einigen Überlebenden bestritten. US-Präsident George W. Bush verlieh Rusesabagina 2005 die Auszeichnung…