Am vorletzten Tag der Salzburger Festspiele ist das Große Festspielhaus fast voll besetzt. Auf der Bühne aufgestellt sind die Wiener Philharmoniker, weder Corona-bedingt in kleiner Besetzung, sondern vollzählig und ganz ohne Abstand. Mit dem Gastdirigenten Gustavo Dudamel spielen sie den „Feuervogel“ von Igor Stravinsky, und zusammen mit dem Klaviersolisten Yevgeny Kissin das Klavierkonzert Nr. 1 von Franz Liszt. Ein volles, fast zweistündiges Programm, von fragilsten Momenten zu Klang-Eruptionen: ein musikalischer Rausch. Es fehlt nichts – oder vielmehr, es fehlt doch etwas: das Husten zwischen den Satzpausen.

Diese Unsitte bei Konzerten mit klassischer Musik, bei der das Publikum, das sonst mucksmäuschenstill sitzt und keine Regung zeigt, normalerweise die aufgestaute Energie entlädt: Zu Corona-Zeiten würde dieser klangliche Beitrag der Besucher böse oder besorgte Blicke hervorrufen. Es zeigt, dass sich das Publikum in diesem besonderen Jahr seiner Eigenverantwortung bewusst ist.

Personal und Ordnungskräfte vermitteln ein Sicherheitsgefühl

Es geht doch: Festspiele in der Pandemie

Nach monatelanger Konzertabstinenz nun also ein Fest für das musikhungrige Publikum und für spielfreudige Musiker. Aus dem ursprünglich angesetzten Kontingent von 240.000 blieben beim abgespeckten Programm 80.000 Karten im Angebot, die ausgedruckt oder vom Smartphone aus sicherem Abstand am Einlass gescannt und mit dem Personalausweis abgeglichen werden. Im Festspielhaus, dem Haus für Mozart und in der Felsenreitschule stehen Säulen mit Desinfektionsmittel.

Noch etwas ist anders in dieser Saison: keine Empfänge, keine Bewirtung. Dafür ist Salzburg freundlicher, nahbarer, menschlicher geworden. Nicht Schickimickis fallen auf, sondern freundliche Gesichter und Personal. Bei einer Pressekonferenz bedankte sich Festspiele-Präsidentin Helga Rabl-Stadler bei anwesenden Pressevertretern persönlich und einzeln für ihren Mut, dass sie gekommen sind.

Die Konzertorte und -zeiten…