Die türkische Wirtschaft ist hart von der Coronakrise getroffen worden. Nach Angaben des türkischen Statistikamts lag die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal elf Prozent unter dem Niveau des ersten Quartals. Das ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1998.

Gegenüber dem Vorjahresquartal fiel die Wirtschaftsleistung um 9,9 Prozent. Auch dieser Einbruch ist heftig, allerdings nicht so stark wie befürchtet. Analysten hatten im Schnitt einen Rückgang um 10,7 Prozent erwartet. Zudem sei der Einbruch weniger stark als in anderen Schwellenländern.

Die Türkei hat sich gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie ähnlich wie andere Länder mit hohen Staatsausgaben und einer lockeren Geldpolitik gestemmt.

Vor allem die lockere Geldpolitik hat aber dazu geführt, dass die Landeswährung Lira gehörig unter Druck steht. Wegen der relativ niedrigen Zinsen und der zugleich hohen Inflation liegt der für Investoren maßgebliche Realzins im negativen Bereich. Das sorgt für ein Abebben des ausländischen Kapitalflusses, auf den die Türkei wegen ihres chronischen Leistungsbilanzdefizits angewiesen ist.

Jeder vierte Türke unter 25 Jahren ist arbeitslos

Der wirtschaftliche Abstieg setzt auch Recep Tayyip Erdoğan unter Druck. Der Staatschef hatte noch 2018 angekündigt, dass sein Land 2023, im Jahr 100 der Republikgründung, unter die zehn größten Wirtschaftsnationen der Welt vorstoßen werde. Doch von diesem Ziel war die Regierung nie weiter entfernt als in diesem Sommer (lesen Sie hier mehr zum Thema).

Die Coronakrise hat den Abschwung nur noch verschärft. Die türkische Wirtschaft steckt seit Jahren in der Krise. 2018 ließ ein Zollstreit mit den USA die Lira einbrechen. Die Inflation liegt konstant bei zwölf Prozent.

Mit am schlimmsten trifft das Land aber, dass der Tourismus in Folge der Pandemie teilweise zum Erliegen gekommen ist. Im ersten Halbjahr 2020 brach die Zahl der Besucher aus dem Ausland um 75 Prozent auf 4,51 Millionen…