Der türkische Vizepräsident nannte es einen „möglichen Kriegsgrund“, sollte Griechenland seine Territorialgewässer in der Ägäis ausdehnen. „Wenn das kein Kriegsgrund ist, was denn sonst?“, sagte Fuat Oktay in einem Interview der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Ankara werde seine Rechte zur See ungeachtet aller Kosten verteidigen. Außenminister Mevlut Cavusoglu schloss sich dem an: „Das wäre ein Grund für einen Krieg, der Casus Belli.“

Die Regierung in Athen kritisierte die türkische Drohung. Die Taktik der Türkei, ihren Nachbarn mit Krieg zu drohen, wenn sie ihre legalen Rechte in die Tat umzusetzen versuchten, sei „gegen die internationale politische Kultur“, erklärte das griechische Außenministerium.

Kritik an Haltung der EU

An die EU gerichtet sagte der türkische Vizepräsident Oktay in dem Interview, die Europäische Union solle „fair“ sein, sie sei kein internationales Gericht, das bestimme, was Recht und Unrecht sei. Die EU-Außenminister hatten am Freitag Ankara zum Dialog mit Griechenland aufgerufen. Andernfalls könne der EU-Sondergipfel am 24. September über weitere Strafmaßnahmen gegen die Türkei diskutieren.

Fuat Oktay, seit 2018 Vizepräsident der Türkei, im Interview mit der Agentur Anadolu

Auslöser für die neuen scharfen Ansagen aus Ankara ist offenbar eine Aussage des griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis vom Mittwoch. Im Parlament hatte Mitsotakis erklärt, Griechenland werde seine Hoheitszone im – Italien zugewandten – Ionischen Meer von sechs auf zwölf Seemeilen ausdehnen. In Seegebieten, in denen andere Staaten mehr als 24 Seemeilen entfernt seien, könnte dies ebenfalls geschehen. Über die Festlegung des Festlandsockels in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer sei Athen zum Dialog mit der Türkei bereit.

Der Streit zwischen Athen und Ankara hatte sich an türkischen Erdgaserkundungen vor griechischen Inseln im östlichen Mittelmeer entzündet. Dort werden große Erdgasvorkommen vermutet. Sowohl die…