Süssmuth, 83, gehörte zu den profiliertesten CDU-Politikerinnen. Als Gesundheitsministerin suchte sie in den Achtzigerjahren Wege aus der Aids-Krise. Von 1988 bis 1998 war sie Präsidentin des Bundestags. Ab dem Jahr 2000 leitete sie eine vom SPD-geführten Innenministerium berufene Zuwanderungskommission, die Vorschläge für ein Einwanderungsgesetz machte.

SPIEGEL: Frau Süssmuth, Sie haben vor einiger Zeit einen langen Brief an Ihre fünf Enkel geschrieben. Nun ist daraus ein Buch geworden. Warum glauben Sie, dass das auch jene interessiert, die nicht zu Ihrer Familie gehören?

Süssmuth: Es geht mir nicht darum, im Märchenton mein Leben vorzutragen. Ich möchte vielmehr, dass die Enkel in meinem Leben erfahren, was mir wichtig war und wofür ich gelebt habe. Welche Widerstände sich aufgetan haben. Und ich will die heranwachsende Generation darin bestärken, ihre großen Chancen zu sehen.

SPIEGEL: Und diese Heranwachsenden sollen die Welt nicht den Wahnsinnigen überlassen, so der Titel Ihres Buchs.* Wer sind die Wahnsinnigen? Populisten?