Die Opposition wütend, der oberste wissenschaftliche Berater unentschlossen, der Bildungsminister mit einer Panne um die Notenvergabe beschäftigt – und der Premier im Urlaub: Es war eine turbulente Woche in Großbritannien, voller Vorwürfe und politischer Kehrtwenden.

Wenige Tage, bevor die Schulen in England, Wales und Nordirland zum ersten Mal seit Beginn der Coronakrise wieder komplett öffnen sollen, war unklar, wie es für die knapp neun Millionen Schüler zu Wochenbeginn tatsächlich weitergeht.

„Ich möchte die Kinder zurück in den Schulen sehen und ich erwarte vom Premierminister, dieses Versprechen einzulösen“, richtete sich Labour-Chef Keir Starmer unlängst aufgebracht an Boris Johnson. „Nach Wochen des Chaos, der Verwirrung und Inkompetenz vonseiten der Regierung“ sehe er dieses Ziel jedoch „ernsthaft in Gefahr“.

Bislang sind nicht alle Schulen geöffnet, die Teilnahme am Unterricht ist zudem nicht verpflichtend und nur ungefähr 18 Prozent der Schüler erscheinen persönlich. Die Sorge vor Ansteckung und Verbreitung des Virus spaltet die Eltern in fast gleichgroße Lager von Befürwortern und Gegnern der Anwesenheitspflicht. Das Ausbleiben klarer Vorgaben zur Sicherheit trug dabei maßgeblich zur Verunsicherung bei.

Bildungsminister Gavin Williamson, eigentlich Verantwortlicher in der Angelegenheit, hatte zuletzt mit einer Panne um falsch berechnete Abschlussnoten zu kämpfen, die viele Briten an seiner Kompetenz zweifeln ließ. Die Frage nach dem Schulstart geriet dabei zeitweise in den Hintergrund.

Nun machte der Premier die Entscheidung zur Chefsache, um das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung wiederherzustellen, denn das leidet angesichts diffuser Corona-Maßnahmen erheblich.

„Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir unsere Kinder zurück in die Schulen bringen, damit sie lernen und mit ihren Freunden zusammen sein können.“

Wenige Stunden, nachdem die obersten Gesundheitsbeauftragten am vergangenen Sonntag ein gemeinsames Statement…