Die südfranzösische Mittelmeerküste ist eigentlich eine Wetter-Bank Ende August – Sonnenschein garantiert. Aber ausgerechnet zum Auftakt der 107. Tour de France öffnete der Himmel über Nizza seine Schleusen. Was besonders dann gefährlich wird, wenn der Regen auf eine lange Trockenphase folgt. Dann werden Blütenstaub und Schmutz zu Schmierseife. Egal, wie langsam die Radprofis die nassen Kurven ansteuern, drohen auf den 156 Kilometern teils schwere Stürze.

Einer von vielen Stürzen, direkt an der Uferpromenade in Nizza

Beim überraschenden Sieg des Norwegers Alexander Kristoff, der sich auf der Zielgeraden an der berühmten Promenade des Anglais im Massensprint vor Weltmeister Mats Petersen aus Dänemark und dem Niederländer Cees Bol durchsetzte, trugen etliche Radprofis mehr oder minder schlimme Schrammen davon. Unter anderem erwischte es die prominenten und routinierten Caleb Ewan, Sam Bennett, Richie Porte und Julian Alaphilippe. „Das war nicht einfach. Die Strecke war sehr gefährlich, sehr rutschig“, resümierte der deutsche Klassement-Fahrer Emanuel Buchmann im Ziel. „Das Team hat einen guten Job gemacht. Ich bin sicher an der Ziellinie angekommen. Das ist wichtig“.

Martin als Wortführer

Die wenigen Zuschauer hielten sich an die Maskenpflicht

Buchmann freilich, obwohl einer der Kapitäne des deutschen Teams Bora-hansgrohe, gehört zu den eher Stillen im Peloton. Dafür demonstrierte ein anderer deutscher Profi seine natürliche Autorität: Erst, als der mehrmalige Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin rund 50 Kilometer vor dem Ziel seine Kollegen zur Vorsicht mahnte, wurde das Tempo reduziert, das Risiko damit wenigstens etwas kalkulierbarer. Unfälle passierten trotzdem. Thibaut Pinot, Lokalmatador und schon im Vorjahr tragischer Held der Tour, weil er in aussichtsreicher Position aufgeben musste, war drei Kilometer vor dem Ziel in eine Massenkarambolage verwickelt, in der nicht nur sein Trikot Löcher davontrug. Desillusioniert trudelte er mit größerem…