Tausende Israelis haben im ganzen Land erneut gegen den rechtskonservativen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu demonstriert. Wie die Polizei am Samstagabend auf Anfrage mitteilte, versammelten sich allein in Jerusalem mehr als 10.000 Menschen zu Protesten. In Tel Aviv blockierten Demonstranten demnach mehrere Straßen nahe dem zentralen Rabin-Platz. Darüber hinaus protestierten Menschen auch auf Brücken über Autobahnen im ganzen Land. 

Seit Wochen gehen Menschen in Israel gegen Netanjahu auf die Straße. Das liegt zum einem an dem Korruptionsprozess, in dem sich der Regierungschef verantworten muss – er ist wegen Betrugs, Untreue und Bestechlichkeit angeklagt. Netanjahu wird aber auch wegen seiner Handhabung der Coronakrise kritisiert. Der 70-Jährige räumte unter anderem vorschnelle Lockerungen ein. Die Arbeitslosigkeit in Israel lag zuletzt bei mehr als 20 Prozent. 

An der aufgeheizten Stimmung im Land änderte auch die Ankündigung, die diplomatischen Beziehungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten aufzunehmen, nichts.

Netanjahu hatte es begrüßt, dass die Emirate den Boykott seines Landes aufgehoben haben. „Dies ist ein wichtiger Schritt, um Wohlstand und Frieden in der Region zu fördern“, erklärte Netanjahu am Samstagabend. Israels Außenminister Gabi Aschkenasi sprach von einer „historischen Entscheidung“.  

Die Emirate sind nach Ägypten und Jordanien das dritte arabische Land, das diplomatische Beziehungen zu Israel aufnehmen will. Darauf hatten sich die Emirate und Israel Mitte August unter Vermittlung der USA geeinigt. Im Gegenzug für die Einigung will Israel die geplante Annektierung von Gebieten im besetzten Westjordanland aussetzen, das die Palästinenser für einen eigenen Staat beanspruchen. 

Seit der überraschenden Ankündigung beider Länder am 13. August ging die Normalisierung in schnellen Schritten voran. Am Montag soll der erste Direktflug zwischen Tel Aviv und Abu Dhabi starten. 

Icon: Der Spiegel