Sie waren nass, traumatisiert und hatten teilweise starke Treibstoff-Verbrennungen erlitten – trotzdem haben mehr als 200 Flüchtlinge am Samstag auf dem völlig überfüllten und manövrierunfähigen privaten Rettungsschiff „Louise Michel“ und eigens ausgebrachten Rettungsinseln ausharren müssen.

Lange ignorierten italienische und maltesische Behörden die brenzlige Situation, erst am Samstagabend kam Hilfe. Erst dann griff die italienische Küstenwache ein und nahm 49 Schiffbrüchige an Bord, darunter vor allem Familien und Kinder. Die „Sea-Watch 4“, die ebenfalls von Flüchtlingsaktivisten betrieben wird, änderte ebenfalls ihren Kurs und nahm die restlichen Flüchtlinge auf.

Die Crew der „Louise Michel“ hatte Donnerstag und Freitag insgesamt 219 Flüchtlinge aus zwei Gummibooten aufgenommen. Eine Person sei zum Zeitpunkt der Rettung bereits tot gewesen, teilten die Seenotretter mit. Die Überlebenden hätten von drei weiteren Toten berichtet.

„Louise Michel“ setzte Dringlichkeitsmeldung ab

Die zehn Aktivisten der „Louise Michel“ kümmerten sich anschließend um die Überlebenden, das Deck war überfüllt, die Kapazitätsgrenze des Schiffes erreicht. 33 Migranten mussten deshalb in Rettungsinseln auf dem Wasser ausharren. „Mit den Rettungsinseln waren wir als Verband manövrierunfähig“, sagt Lea Reisner, Einsatzleiterin an Bord, dem SPIEGEL.

Deshalb habe man die Behörden um Hilfe gebeten. Selbst eine Dringlichkeitsmeldung, genannt „Pan-pan“, sei aber am Samstagmorgen zunächst ohne Antwort geblieben. Das Signal wird verwendet, wenn Schiffe und ihre Besatzungen konkret, aber nicht akut gefährdet sind. Wegen des schlechten Wetters habe man entschieden, die Flüchtlinge an Bord der „Sea-Watch 4“ gebracht.

Banksy sponsorte das Schiff

Die „Louise Michel“ gehörte einst dem französischen Zoll, nun fährt das Schiff unter deutscher Flagge. Der Künstler Banksy hat den Kauf nach Angaben der Seenotretter finanziert und das Boot bemalt. Am 18. August legte es erstmals in Valencia ab;…