Die Bundestagswahl 2021 wirft ihre Schatten voraus – und die Bundesregierung beschließt eifrig Maßnahmen, um trotz Coronakrise möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Kurzarbeit soll länger möglich sein, und das zu teils sehr großzügigen Konditionen. Für Firmen aller Größe werden Rettungsschirme aufgespannt. Nur bei einer Gruppe kommt wenig an: den Solo-Selbstständigen, also jenen mehr als zwei Millionen Bürgern, die selbst „ihr eigener Chef“ sind, aber keine Angestellten haben.

Doch Web-Designer, Autoren und Künstler haben nur in sehr geringer Zahl die von der Politik für sie geöffneten Hartz-IV-Hilfen beantragt, und auch von den milliardenschweren Soforthilfen wurde längst nicht alles abgerufen. Dennoch klagen viele Selbstständige, die Politik habe eine ganze Berufsgruppe im Stich gelassen. Wie kann das sein?

Catharina Bruns, 40, ist Gründerin der Kontist-Stiftung (hier geht’s zur Webseite), die andere Selbstständige berät – und selbst als Solo-Selbstständige betroffen. In der Krise ist sie zu einer der wenigen Stimmen einer Branche geworden, sie so kleinteilig ist, dass sie bislang keine eigene Lobby hat. Bruns hat eine Petition an die Bundesregierung auf den Weg gebracht – und erklärt im Interview, warum die gut gemeinten Hilfen der Bundesregierung zum Rohrkrepierer wurden.

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Catharina Bruns

Foto: Privat

SPIEGEL: Frau Bruns, die Bundesregierung wird viel gelobt für Ihr Corona-Krisenmanagement. Wie sehen Selbstständige das?

Catharina Bruns: Aufseiten der Bundesregierung zeigt sich ein eklatantes Unverständnis, was die Belange und Lebensrealität von Selbstständigen angeht. Man sieht das deutlich an den Soforthilfen, die zwar gezielt für diese Berufsgruppe ins Leben gerufen wurden, die aber so schlecht ausgestaltet wurden, dass sie weitgehend unwirksam bleiben. Die Politik lässt sich in der Krise feiern und behauptet: „Niemand wird vergessen“. Aber gerade bei Selbstständigen löst sie das Versprechen…